Lesezeit: 5 Minuten

Berufskleidung ist in vielen Branchen unverzichtbar. Besonders im Handwerk, in der Industrie sowie in der Land- und Forstwirtschaft muss sie einiges aushalten. Damit die Kleidung möglichst widerstandsfähig gegen mechanische Einwirkungen und grobe Verschmutzungen bleibt, ist eine sachgemäße Pflege und Reinigung besonders wichtig. Doch kann die private Waschmaschine das überhaupt leisten? Unter bestimmten Bedingungen ist eine professionelle Reinigung nicht nur sinnvoll, sondern sogar gesetzlich vorgeschrieben. Erfahren Sie, für welche Berufe das gilt und was Sie beachten sollten, wenn Sie Schutz- und Arbeitsbekleidung selbst waschen, nähen oder flicken möchten.

Unter welchen Bedingungen dürfen Sie Berufskleidung selbst reinigen?

Ob Sie Ihre Arbeitskleidung selbst waschen dürfen oder nicht, hängt einerseits von der Art der Kleidung und andererseits von Ihrer Tätigkeit ab. In Branchen, in denen unter sterilen Bedingungen gearbeitet wird, ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass der Arbeitgeber sich um die hygienisch einwandfreie Reinigung der Berufskleidung kümmern muss. Das trifft zum Beispiel auf die Lebensmittelverarbeitung oder die pharmazeutische Industrie zu.

Es wird zwischen unterschiedlichen Arten der Berufskleidung unterschieden:

  • Dienstkleidung
  • Berufskleidung
  • Schutzkleidung

Je nach Art der Berufskleidung gelten unterschiedliche Vorschriften zur Reinigung und Pflege. Die Tabelle gibt einen Überblick darüber, welche Arbeitskleidung Sie selbst reinigen dürfen oder ob eine professionelle Reinigung erforderlich ist.

Art der ArbeitskleidungEigenschaftenReinigung und Pflege
Dienstkleidung• Kleidung für einheitliches Erscheinungsbild aller Mitarbeiter
• wird entweder vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt (z.B. Uniformen, einheitlich bedruckte T-Shirts) oder nach bestimmten Vorgaben hinsichtlich Farbe, Form oder Material selbst gekauft  
• private Reinigung und Pflege ist möglich
Berufskleidung• zweckmäßige Kleidung, deren Eigenschaften auf ein bestimmtes Berufsbild abgestimmt sind
• z.B. Kleidung in der Krankenpflege oder Zunftkleidung für Handwerksberufe
• Arbeitnehmer kann die Kleidung selbst in einem Fachgeschäft kaufen  
• kann privat gereinigt werden
• Ausnahme: Arbeitsstellen mit besonders hohen Ansprüchen an Hygiene
Schutzkleidung• wichtiger Teil der Arbeitsschutzmaßnahmen des Arbeitgebers
• schützt vor den Gefahren, die direkt mit der Ausübung des Berufs zusammenhängen
• Arbeitgeber stellt die Ausrüstung zur Verfügung und kümmert sich um Ersatz  
• sollte ausschließlich professionell gereinigt und ausgebessert werden, damit die Schutzfunktionen erhalten bleiben

Was Sie über die Reinigung von Schutzkleidung wissen müssen

Ist in Ihrem Beruf das Tragen einer Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) erforderlich, sollten Sie diese professionell reinigen lassen, denn bei der Herstellung von Schutzkleidung werden spezielle Materialien und aufwendige Technologien zur Oberflächenbehandlung eingesetzt. Spezialisierte Reinigungsunternehmen haben nicht nur die geeigneten Reinigungsmittel, um starke Verschmutzungen schonend zu entfernen, sie wissen zudem genau, was bei der Pflege der verschiedenen Materialien zu beachten ist. Falls nötig, übernehmen sie auch Nachbehandlung und Imprägnierung, um die Schutzfunktion der Textilien aufrechtzuerhalten.

Beim Waschen zu Hause können Haushaltswaschmittel, Weichspüler oder zu hohe Temperaturen die Textilien angreifen und die Schutzfunktion beeinträchtigen. Auch die verhältnismäßig kleine Waschtrommel einer Haushaltswaschmaschine kann sich negativ auswirken: Die Kleidung wird in der Maschine stark zusammengedrückt, wodurch die Membranen im Gewebe beschädigt werden können.

Möchten Sie Ihre Schutzkleidung selbst waschen, halten Sie sich unbedingt an die Hinweise auf dem Pflegeetikett! Verwenden Sie keine Seifen, Laugen oder chemischen Reinigungsmittel! Prüfen Sie vor dem nächsten Arbeitseinsatz gründlich, dass die Schutzfunktion nicht beeinträchtigt sind. Hier geht es zur Schritt-für-Schritt Anleitung für die Reinigung Ihrer Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz.

Gesetzlich vorgeschriebene Schutzkleidung dürfen Sie nicht privat waschen. Haben Sie sich dagegen freiwillig zum Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung entschieden, liegt die Entscheidung bei Ihnen – Sie können die Ausrüstung selbst reinigen oder in eine professionelle Reinigung geben.

Wer ist verantwortlich dafür, Arbeitskleidung zu reinigen?

In Branchen, in denen keine professionelle Reinigung der Berufskleidung vorgeschrieben ist, können Arbeitgeber frei entscheiden, wie sie die Pflege und Reinigung der Arbeitskleidung organisieren. Einige zahlen ihren Mitarbeitern zusammen mit dem Lohn eine Reinigungspauschale. In diesem Fall bleibt die Entscheidung, die Arbeitskleidung selbst zu waschen oder in die Reinigung zu geben, dem einzelnen Mitarbeiter überlassen. Andere Arbeitgeber beauftragen eine Textilreinigung, die schmutzige Arbeitskleidung direkt aus dem Betrieb abholt und sauber zurückliefert.

Berufskleidung  selbst waschen

Die Reinigung von Arbeitskleidung kann eine Herausforderung darstellen. Hartnäckige Verschmutzungen wie Motoröl, Fett oder Schleifstaub dringen tief in die Textilfasern ein und setzen sich dort fest. Handelsübliche Waschmittel für den Haushalt schaffen es häufig nicht, diese Flecken vollständig zu entfernen. Gleichzeitig hinterlassen die gelösten Stoffe Rückstände in der Waschmaschine, die im schlimmsten Fall beim nächsten Waschgang andere Wäschestücke verschmutzen.
All das kann zwar die Reinigung erschweren – mit unseren Tipps gelingt es ganz einfach, die Arbeitskleidung selbst zu waschen.

  1. Wäsche trennen

    Waschen Sie Ihre Berufskleidung immer getrennt, sonst besteht die Gefahr, dass schmutziges Wasser Ihre Alltagskleidung verfärbt. Versuchen Sie dennoch, die Maschine möglichst gut zu füllen, damit sich das Gewicht der Wäschestücke gleichmäßig verteilt und die Waschtrommel nicht beschädigt wird. Die Waschmaschine ist nicht geeignet, um schwere Arbeitsschuhe zu waschen.

  2. Vorbehandlung

    Weichen Sie sehr schmutzige Arbeitskleidung vor der Wäsche für zwei bis drei Stunden in lauwarmem Wasser ein. Dabei können Sie grobe Flecken direkt mit Waschsoda oder Kernseife vorbehandeln.

  3. Waschpulver ja, Weichspüler nein

    Verwenden Sie ausschließlich Vollwaschmittel in Pulverform, denn es hat eine deutlich höhere Reinigungskraft als Flüssigwaschmittel. Zudem wirkt es bei Temperaturen ab 60 Grad keimabtötend. Auf Weichspüler sollten Sie in jedem Fall verzichten.

  4. Pflegehinweisen folgen

    Halten Sie sich bei den Angaben zu Waschtemperatur, Schleudern und Trocknen genau an die Angaben auf dem Pflegeetikett. Ist die Temperatur beim Waschen oder im Trockner zu hoch, kann das die Textilfasern empfindlich schädigen, während ein zu starker Schleudergang Schutzmembranen und Imprägnierung angreift.

  5. Waschmaschine säubern

    Prüfen Sie nach dem Waschgang, ob sich eventuell Schmutz in der Waschmaschine abgesetzt hat. Besonders in den Falten der Türdichtung kann das schnell passieren. Um sicherzugehen, dass die Waschmaschine wirklich sauber ist, nutzen Sie Waschmaschinenreiniger und starten einen leeren Waschgang bei 90 Grad.

Arbeitskleidung reparieren?

Genauso wie Sie die Reinigung der Arbeitskleidung im Zweifelsfall den Profis überlassen sollten, gilt das auch für Reparaturen. Wenn Sie kleinere Risse oder aufgetrennte Nähte an der Arbeitskleidung selbst reparieren, ist das zwar schnell erledigt, aber nicht unbedingt besonders haltbar. Geben Sie die Kleidung in eine professionelle Änderungsschneiderei, können Sie sicher sein, dass die Funktion nicht beeinträchtigt wird.

Auf gar keinen Fall sollten Sie Schutzkleidung selbst nähen! Denn die Verwendung ungeeigneter Materialien kann fatale Auswirkungen haben. Verwenden Sie z. B. leicht entzündliche Garne zum Flicken von Flammschutzkleidung, kann das nicht nur die Schutzwirkung schwächen, sondern die Kleidung selbst zur Gefahrenquelle werden lassen.

Beschädigte Schutzkleidung müssen Sie unverzüglich dem Arbeitgeber melden. Dieser ist verpflichtet, sich um die professionelle Reparatur der Schutzkleidung zu kümmern oder das beschädigte Kleidungsstück durch ein neues  zu ersetzen.

Reinigung der Arbeitskleidung von der Steuer absetzen

Schreiben Gesetze oder Arbeitgeber das Tragen von Arbeitskleidung vor, darf dadurch keine finanzielle Last für die Beschäftigten entstehen. Falls es keine betriebliche Einigung zur direkten Kostenübernahme durch den Arbeitgeber gibt, können Sie die Kosten für Reinigung und Reparatur steuerlich absetzen. Hierfür können Sie im Rahmen Ihrer Steuererklärung Werbungskosten geltend machen. Das ist sogar möglich, wenn Sie keine Rechnungen für die Reinigung vorlegen können, sondern die Berufskleidung selbst waschen. In dem Fall dürfen Sie eine Pauschale von (derzeit) 110 Euro geltend machen.

FAQ zur Reinigung von Arbeitskleidung

Dürfen Sie Ihre Arbeitskleidung selbst reinigen?

Gesetzlich vorgeschriebene Schutzkleidung und Arbeitskleidung für Berufe mit besonders strengen Hygienebestimmungen müssen professionell gereinigt werden, damit Arbeitsschutzbestimmungen und Hygienestandards erfüllt sind. Alle anderen Arten der Berufs- und Dienstkleidung dürfen Sie privat reinigen.

Warum müssen Sie Schutzkleidung professionell reinigen lassen?

Für die Herstellung dieser Arbeitskleidung werden spezielle Materialien und aufwendige Technologien zur Oberflächenbehandlung eingesetzt. Haushaltswaschmittel, Weichspüler oder zu hohe Temperaturen beim Waschen können die Textilien angreifen und die Schutzfunktion beeinträchtigen. Auch die verhältnismäßig kleine Waschtrommel einer Haushaltswaschmaschine kann sich negativ auswirken. Die Kleidung wird in der Maschine stark zusammengedrückt, wodurch empfindliche Membranen im Gewebe beschädigt werden können.

Was ist wichtig, wenn Sie Ihre Berufsbekleidung selbst reinigen wollen?

immer getrennt von Alltagswäsche waschen
stark verschmutzte Kleidung einweichen und ggf. mit Fleckentferner vorbehandeln
• Pulverwaschmittel verwenden für höhere Reinigungskraft und Abtötung von Keimen (ab 60 Grad)
• Hinweise auf Pflegeetiketten streng einhalten, damit Funktion der Arbeitskleidung bestehen bleibt
• Waschmaschine regelmäßig mit Waschmaschinenreiniger von Schmutzrückständen befreien

Dürfen Sie Ihre Arbeitskleidung selbst flicken?

Das Nähen von Rissen oder aufgetrennten Nähten ist zwar schnell erledigt, aber bei einer professionellen Änderungsschneiderei können Sie sicher sein, dass die Funktion der Kleidung nicht beeinträchtigt wird. Auf gar keinen Fall sollten Sie Schutzkleidung selbst nähen. Hier kann die Verwendung ungeeigneter Materialien (z. B. leicht entzündlicher Garne) fatale Auswirkungen haben.

Können Sie die Reinigung Ihrer Arbeitskleidung von der Steuer absetzen?

Gibt es keine betriebliche Einigung zur direkten Kostenübernahme durch den Arbeitgeber, können Sie die Kosten für Reinigung und Reparatur im Rahmen Ihrer Steuererklärung als Werbungskosten absetzen.

Bildquellen:
© gettyimages.de
Jelena Danilovic