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Kommt es im Lager, in Verkaufs- oder Produktionsräumen zu einem Brand, können nicht nur Mitarbeiter zu Schaden kommen, sondern auch enorme wirtschaftliche Schäden entstehen. Mit der Umsetzung der gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutzmaßnahmen sorgen Sie hier vor: Diese umfassen einerseits Präventionsmaßnahmen, um die Brandentstehung und -ausbreitung zu verhindern und geben Verhaltensregeln für Mitarbeiter und Personen im Brandfall vor (vorbeugender Brandschutz). Andererseits sorgen die Brandschutzmaßnahmen dafür, dass Löscharbeiten ungehindert vorgenommen werden können (abwehrender Brandschutz).  

Bauliche und anlagentechnische Brandschutzmaßnahmen

Damit es in Ihren Betriebsräumen gar nicht erst zu Bränden kommt, sind die vorbeugenden Brandschutzmaßnahmen enorm wichtig. Diese betreffenden zuallererst die baulichen und anlagentechnischen Einrichtungen, die dazu je nach Betriebsart vorhanden sein müssen. Mit ihnen soll die Brandprävention und -ausbreitung sowie die Einhaltung von Brandschutzklassen gewährleistet werden. Das betrifft:

  • die Verwendung von brandsicheren Baustoffen und Bauteilen,
  • die Einteilung von Gebäuden in verschiedene Brandabschnitte für die Feuerwehr,
  • den Einbau von Feuerschutztüren oder Brandschutzklappen,
  • die korrekte Erstellung und Auszeichnung von Flucht- und Rettungswegen.

Bei baulichen Brandschutzmaßnahmen sind Baustoffklassen bzw. bauliche Brandschutzklassen nach der in Deutschland geltenden Norm DIN 4102 klassifiziert. Die Baustoffe werden dabei auf der Grundlage ihres jeweiligen Brandverhaltens eingeteilt. Die Brandschutzmaßnahmen zum anlagentechnischen Brandschutz im Betrieb umfassen Maßnahmen und Einrichtungen, um einen Brand möglichst frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen. Kurz und bündig müssen diese technischen Anlagen im Brandfall folgende Funktionen erfüllen:

Funktiongeeignete technische Brandschutzmaßnahmen
Erkennen und Melden– Brandmelde- und Warnanlagen
– Rauchmelder
Unterdrücken– Blitzschutz- und Überspannungsanlagen
Leiten und Führen– Sicherheitsbeleuchtung
– Notlichter
Abschotten– Feuerschutztüren
– Brandschutzklappen
Löschen– Handfeuerlöscher
– Sprinkleranlagen
– Hydranten oder Steigleitungen
Entrauchen– Rauch- und Wärmeabzüge

9 Maßnahmen zum organisatorischen Brandschutz im Betrieb

Die organisatorischen Brandschutzmaßnahmen gehören ebenfalls zum vorbeugenden Brandschutz und umfassen alle nicht-baulichen Einrichtungen und Schritte, die eine Brandentstehung und -ausbreitung verhindern.  

1.        Betriebliches Brandschutzkonzept erstellen

Das Brandschutzkonzept beinhaltet vorbeugende sowie abwehrende Brandschutzmaßnahmen. Das Konzept bzw. der Brandschutznachweis wird durch die Brandschutzbestimmungen der Landesbauordnungen verlangt. Ihre Angaben müssen dazu den erlassenen Vorschriften des jeweiligen Bundeslandes entsprechen. Die Bauaufsichtsbehörden prüfen nach der Erstellung Ihres Konzepts, ob die baulichen Brandschutzanforderungen in Ihrem Betrieb eingehalten werden und ob alle brandschutzrelevanten Nachweise vollständig und plausibel sind. Anhand einer Gefährdungsbeurteilung müssen alle Schutzziele und Maßnahmen zur Brandprävention festgelegt werden. Dazu müssen alle Tätigkeitsbereiche und Arbeitsplätze bezüglich ihrer Brandrisiken beurteilt werden, zum Beispiel die Lagerung von Gefahrstoffen, elektrische Anlagen oder Heißarbeiten.

2.        Brandschutzbeauftragten ernennen

Die Vorgaben zur Ernennung eines Brandschutzbeauftragten sind auf Länderebene in den einzelnen Bauordnungen, Verkaufsstättenverordnungen und Industriebaurichtlinien dargelegt. Wichtig ist hier vor allem, dass ein Brandschutzbeauftragter persönlich und fachlich für die Anforderungen dieser Stelle geeignet ist. Wir empfehlen hierfür eine Ausbildung nach den Richtlinien der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes. Schulungen dazu werden von diversen Institutionen, zum Beispiel den TÜVs, angeboten.

Zu den Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten zählt unter anderem die fachmännische Beratung des Arbeitgebers in allen Fragen rund um betriebliche Brandschutzmaßnahmen und entsprechende Brandschutzbestimmungen: Mögliche Brandgefahren oder Risiken sollen so frühzeitig erkannt und korrekt beurteilt werden.

3.        Brandschutzverordnung aufstellen

In Ihrer betrieblichen Brandschutzverordnung fassen Sie alle Regeln für das Verhalten im Brandfall zusammen – vergleichbar mit den Regelungen von Hausordnungen oder Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Ihre Mitarbeiter ausreichend über alle Brandschutzmaßnahmen informiert sind. In der Brandschutzordnung müssen ebenfalls die brandschutztechnischen Maßnahmen zur Brandprävention enthalten sein.

Wir empfehlen Ihnen, sich zur Erstellung und Gestaltung Ihrer betriebseigenen Brandschutzordnung an die örtlichen Bauaufsichtsbehörden zu wenden. Diese unterstützen Sie dabei, die Brandschutzordnung an die jeweiligen Bedingungen und spezifischen Brandgefahren in Ihren Betriebsgebäuden anzupassen, da es keine allgemeingültige Vorlage zur Erstellung gibt. 

Allerdings ist die Form festgelegt, nach der Sie Ihre betriebliche Brandschutzverordnung erstellen müssen: Sie sind verpflichtet, sich an die DIN 14096:2014-05 „Brandschutzordnung – Regeln für das Erstellen und das Aushängen“ zu halten.

4.        Brandschutz-, Feuerwehr- und Alarmpläne erstellen

Durch Brandschutzpläne, Feuerwehr- und Alarmpläne visualisieren Sie Ihr Brandschutzkonzept bzw. den Brandschutznachweis, sodass Fluchtwege, technische Löschanlagen, Meeting-Points, etc. für alle Personen anschaulich sind und eine schnelle Orientierung in Krisensituationen möglich ist.

  • Flucht- und Rettungspläne erstellen Sie nach der ISO 23601. Die Pläne sollten den Grundriss jedes Gebäudegeschosses mit den entsprechenden Fluchtwegen, Erste-Hilfe– sowie Brandschutzeinrichtungen umfassen. Der Aushang der Pläne erfolgt an zentralen Stellen im Gebäude oder der Werkstatt, beispielsweise an Eingängen, in Treppenhäusern und neben Aufzügen.
  • Für die Erstellung von Feuerwehrplänen gelten die DIN 14095 und DIN 14675. Der Feuerwehr muss es anhand der von Ihnen erstellten Pläne möglich sein, sich in einer Notsituation unmittelbar im und am Betriebsobjekt zu orientieren. Die Feuerwehrpläne müssen Sie bei den örtlichen Feuerwehren oder Brandmeldezentralen hinterlegen.

5.        Fluchtwege kennzeichnen

Hinweisschild Feuermelder und Notausgang

Damit Sie Ihren Mitarbeitern im Brandfall den Weg zur nächstgelegenen Fluchtmöglichkeit ermöglichen können, ist eine eindeutige Kennzeichnung von Rettungswegen notwendig. Anhand spezifischer Rettungszeichen schaffen Sie so Leitsysteme.

Durch die DIN 4844 „Grafische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen Teil 1 und 2“ sind Maße und Darstellungen der Sicherheitszeichen geregelt. Diese müssen deutlich erkennbar sein, häufig auch zusätzlich beleuchtet sowie dauerhaft angebracht werden. Zusätzlich regelt die DIN 18040 „Barrierefreies Bauen“ die Kennzeichnung von Flucht- und Rettungswegen für Menschen mit Behinderungen.

Darüber hinaus kennzeichnen Brandschutzzeichen Standorte von Feuermelde- und Feuerlöscheinrichtungen. Dies können zum Beispiel ein Löschschlauch, eine Feuerleiter, ein Brandmeldetelefon oder ein Brandmelder sein.

6.        Mitarbeiter für den Brandfall schulen

Als Arbeitgeber sind Sie nach § 12 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet, ihre Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit ausreichend und angemessen zu unterweisen: Hierzu zählen auch die betrieblichen Brandschutzmaßnahmen. Des Weiteren sind Sie nach § 10 ArbSchG angehalten, Mitarbeiter in der Brandbekämpfung, Evakuierung und Ersten Hilfe zu benennen und entsprechend zu schulen.

Damit Ihre Mitarbeiter genau wissen, wie sie zur Brandvermeidung beitragen können und sich in einem Brandfall zu verhalten haben, ist es wichtig, regelmäßig Schulungen oder Workshops zu betrieblichen Brandschutzmaßnahmen durchzuführen. Inhaltlich sollten Sie die Schwerpunkte des Brandschutzkonzepts und der ausgehängten Brandschutzordnung sowie ggf. weiterer betrieblicher Brandschutzmaßnahmen vermitteln.

7.        Lösch- und Rettungsübungen

Damit Sie und Ihre Mitarbeiter im Brandfall schnell das Betriebsgebäude oder die Werkstatt räumen und den Sammelplatz finden können, müssen im Betrieb Evakuierungsübungen durchgeführt werden. Mit einem jährlichen Evakuierungs-Training und Probealarm stellen Sie sicher, dass im Gefahrenfall schnell und korrekt gehandelt wird.

8.        Anlagentechnische Maßnahmen prüfen

Um sicherzustellen, dass Ihr Betrieb oder Ihre Werkstatträume für die technischen Brandschutzeinrichtungen geeignet sind, sollten Sie diese regelmäßig prüfen und instand halten. Kontrollieren Sie daher einmal jährlich:

  • elektrische Anlagen wie Schalter, Steckdosen, Anschluss- und Verlängerungskabel, Maschinen und Großwerkzeuge
  • Gasverbrauchsanlagen
  • wärme- und lufttechnische Anlagen
  • Aufzugsanlagen
  • Abluftanlagen und Fettfilter
  • alle Räumlichkeiten in Bezug auf Stolper-, Rutsch- und Sturzstellen

9.        Brandschutzbestimmungen im Betrieb kontrollieren

Eine regelmäßige Kontrolle und Sicherstellung, dass Ihr Brandschutzkonzept dem aktuellen Stand der Technik entspricht, kann lebenswichtig sein. Prüfen Sie daher mindestens einmal im Jahr die Einhaltung der Vorschriften sowie die Pläne der betrieblichen Brandschutznahmen – sowohl bei bestehenden Anlagen als auch beim Einbau von Neuinstallationen. So können Sie zeitnah neue gesetzliche Brandschutzbestimmungen oder veränderte Rahmenbedingungen berücksichtigen und Ihre Brandschutzmaßnahmen aktualisieren. Regelmäßige Kontrolltermine sollten durch den Brandschutzbeauftragten organisiert, überwacht und ausgeführt werden.

Abwehrender Brandschutz

Zum abwehrenden Brandschutz zählen alle Maßnahmen, um einen bereits entstandenen Brand zu bekämpfen. Das ist vor allem die Aufgabe der Feuerwehr. Zusätzlich können und sollten Sie jedoch Mitarbeiter mit entsprechenden Ausbildungsmaßnahmen zum Brandschutzhelfer ernennen – vor allem dann, wenn in Ihrem Betrieb Gefahrstoffe gelagert oder mit Gefahrstoffen hantiert wird. Betriebliche Brandschutzhelfer können aktiv zum abwehrenden Brandschutz beitragen, bis die Feuerwehr eintrifft und die weitere Brandbekämpfung übernimmt.

FAQ zu Brandschutzmaßnahmen

Welche Brandschutzmaßnahmen gibt es?

Brandschutzmaßnahmen werden in Maßnahmen zum vorbeugenden Brandschutz und zum abwehrenden Brandschutz eingeteilt:
· Vorbeugender Brandschutz: Umfasst alle Präventionsmaßnahmen, um die Brandentstehung und die -ausbreitung zu verhindern. Dazu werden umfangreiche Vorgaben zum baulichen und technischen Brandschutz sowie zum organisatorischen Brandschutz gemacht. Zudem geben Sie Verhaltensregeln für Mitarbeiter und Personen im Brandfall vor. 
· Abwehrender Brandschutz: Diese Brandschutzmaßnahmen dafür, dass Löscharbeiten ungehindert vorgenommen werden können.

Wer ist für Brandschutzmaßnahmen im Betrieb verantwortlich?

Laut Arbeitsschutzgesetz ist der Betriebseigner für die Einrichtung geeigneter Brandschutzmaßnahmen verantwortlich. Unterstützend dazu kann ein Brandschutzbeauftragter ernannt werden: Zu den Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten zählt unter anderem die fachmännische Beratung des Arbeitgebers in allen Fragen rund um betriebliche Brandschutzmaßnahmen und entsprechende Brandschutzbestimmungen.

Was sind die häufigsten Brandursachen im Betrieb?

Die häufigsten Brandursachen im Betrieb sind:
· unsachgemäßer Umfang mit Gefahrstoffen und Einrichtungen
· fehlende Unterweisung der Mitarbeiter in die betrieblichen Brandschutzmaßnahmen und -vorschriften
· mangelndes Gefahrenbewusstsein im Umgang mit Gefahrstoffen

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel außerdem Sachverständige hinzugezogen werden.

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