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Flucht- und Rettungswege gehören zu den sogenannten sicherheitsrelevanten Schutzmaßnahmen in öffentlichen Gebäuden. Damit sich Mitarbeiter und Besucher in Gefahrensituationen schnellstmöglich in Sicherheit bringen und im Notfall helfen können, müssen diese Wege in einem Flucht- und Rettungsplan erfasst werden. Der Plan beruht auf dem Sicherheits- und Brandschutzkonzept, das zuvor für das Gebäude erstellt wurde. Er wird an entscheidenden Stellen ausgehängt und zeigt in einem schnell erfassbaren Schema alle relevanten Informationen für den Notfall an. Sie können mit der Anfertigung externe Experten beauftragen oder den Flucht- und Rettungsplan selbst erstellen. Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Inhalte und Verordnungen.

Auf welchen gesetzlichen Vorschriften beruht ein Flucht- und Rettungsplan?

Jeder Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, für die Sicherheit seiner Angestellten zu sorgen und sie vor allen Gefahren für Leben und Gesundheit, die bei Ausübung der Arbeit auftreten können, zu schützen. Diese im Arbeitsschutzgesetz eher allgemein formulierte Pflicht wird in Bezug auf Fluchtwege und Sicherheitseinrichtungen in den folgenden Gesetzen und Richtlinien konkretisiert:

  • Nach § 3 der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) muss für jeden Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung erfolgen, auf deren Grundlage anschließend geeignete Gegen- und Schutzmaßnahmen getroffen werden. Dazu gehört laut § 4, Absatz 4 auch die Erstellung eines Flucht- und Rettungsplans, „wenn Lage, Ausdehnung und Art der Benutzung der Arbeitsstätte dies erfordern“.
  • Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ARS) befassen sich mit der praktischen Umsetzung der Arbeitsstättenverordnung. Vor allem die ASR A2.3 „Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ und die ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ enthalten wichtige Hinweise, unter welchen Bedingungen und in welcher Form ein solcher Plan zu erstellen ist.
  • In der DIN ISO 23601 sind sämtliche formalen Anforderungen festgelegt. Das betrifft neben den Inhalten unter anderem Format, Schrift- und Abbildungsgröße, Gestaltungsgrundlagen wie Layout und Farbgebung sowie Vorgaben zur Prüfung und Überarbeitung.

Welche Betriebe müssen einen Flucht- und Rettungsplan erstellen?

Die Gesetzestexte sagen nicht explizit, in welchen Fällen ein Flucht- und Rettungsplan erstellt werden muss. Das oben genannte Zitat aus der Arbeitsstättenverordnung lässt einen gewissen Interpretationsspielraum zu, ob ein Betrieb zur Erstellung verpflichtet ist oder nicht. Allerdings lässt sich aus der Formulierung ableiten, dass Sie einen Fluchtplan erstellen müssen, wenn

  • es sich um weitläufige Betriebsgebäude handelt.
  • ein Fluchtweg nicht offensichtlich zu erkennen ist.
  • sich vorwiegend nicht ortskundige Personen in den Räumen aufhalten.

Außerdem können Behörden einen solchen Plan für die Erteilung von Baugenehmigungen oder im Rahmen eines Konzepts zum betrieblichen Brandschutz fordern.

Fakt ist, dass ein Flucht- und Rettungsplan bei Unglücken wie einem Brandfall oder einem Arbeitsunfall Leben retten kann. Von daher sollten Sie den Aufwand nicht scheuen und allen Mitarbeitern und Besuchern Ihres Unternehmens größtmöglichen Schutz und Sicherheit bieten.

Welche Informationen gehören in den Flucht- und Rettungsplan?

Ein Flucht- und Rettungsplan muss alle Informationen enthalten, die es den Personen im Gebäude ermöglichen, sich selbst oder andere in einer Gefahrensituation schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen. Er besteht aus sechs Elementen:

  1. Detailplan: Den größten Raum nimmt ein schematischer Grundriss ein, der die Umgebung des entsprechenden Standorts darstellt. Dabei kann es sich um die gesamte Etage, einen Gebäudeflügel oder, wenn es der Maßstab erlaubt, das ganze Betriebsgebäude handeln. Wichtig ist, dass die Lage der Perspektive des Betrachters entspricht und Fluchtwege farblich hervorgehoben sind. Pfeile zeigen die optimale Bewegungsrichtung zum nächsten Notausgang an. Außerdem sind die Standorte von Feuerlöschern im Betrieb, Erste-Hilfe-Vorrichtungen, Treppen und Aufzügen mit Piktogrammen eingezeichnet.
  2. Übersichtsplan: Wenn der Detailplan nicht die gesamte Betriebsanlage abbilden kann, wird der Detailausschnitt in einer schematischen Darstellung der Anlage farbig markiert, sodass der Betrachter auf einen Blick einschätzen kann, wo er sich befindet. In diesem Überblick sind an das Betriebsgelände angrenzende Straßen, Gebäude und Freiflächen gekennzeichnet; ein Piktogramm markiert den allgemeinen Sammelplatz für die Belegschaft.
  3. Legende: In der Legende werden alle verwendeten Piktogramme und Abkürzungen eindeutig erläutert.
  4. Verhalten im Brandfall: In diesem Informationskasten wird Schritt für Schritt dargestellt, was im Brandfall zu tun ist. Er enthält unter anderem die Telefonnummer der örtlichen Feuerwehr und die wichtigsten Angaben zur Brandmeldung.
  5. Verhalten bei Unfällen: Der zweite Infokasten enthält die Verhaltensregeln bei Betriebsunfällen. Neben der Telefonnummer des Rettungsdienstes finden sich hier Informationen zur Unfallmeldung und in welcher Reihenfolge weitere Maßnahmen zu ergreifen sind, z. B. die Information von Ersthelfern im Betrieb.
  6. Angaben zur Erstellung des Plans: Im Unglücksfall unwichtig und deshalb verhältnismäßig klein ist außerdem vermerkt, wer den Plan erstellt hat und auf welches Gebäude bzw. welchen Gebäudeteil er sich bezieht. Außerdem müssen hier das Datum der Erstellung, die Plannummer und ggf. die Revisionsnummer auftauchen, damit die Aktualität jederzeit geprüft werden kann.

Formelle Vorgaben an einen Flucht- und Rettungsplan

Genauso wichtig wie der Inhalt ist, wie die Informationen dargestellt werden. Damit sich auch betriebsfremde Personen sofort zurechtfinden, muss der Plan einem bestimmten Muster folgen. Grundsätzliche Anforderungen an einen Flucht- und Rettungsplan:

  • farbiges Layout auf weißem Untergrund
  • unter allen Bedingungen deutlich erkennbar (ggf. hinterleuchtet oder aus nachleuchtenden Materialien)
  • Überschrift „Flucht- und Rettungsplan“ in Landessprache
  • falls aufgrund von Geschäftszweig oder Mitarbeiterstruktur erforderlich, sind mehrsprachige Pläne zu erstellen
  • Format mindestens DIN A3; Ausnahme: für Zimmerpläne (in Einzelbüros, Meeting-Räumen oder Hotelzimmern) ist DIN A4 erlaubt
  • Überschrift muss mindestens 7 % der Länge der kürzeren Blattseite betragen; alle übrigen Symbole müssen mindestens 7 mm, Buchstaben mindestens 2 mm groß sein
  • Maßstab des Plans bei kleinen und mittleren Anlagen mindestens 1:100; bei großen Anlagen 1:250 und Einzelräumen 1:350
  • Markierung für Standort des Betrachters
  • standortgenaue Kennzeichnung von Erste-Hilfe-Ausrüstung und Feuerlöschern
  • Ausrichtung des Detail- und Übersichtsplans muss der Blickrichtung des Betrachters entsprechen
  • Kennzeichnung von mindestens einer Sammelstelle ist zwingend notwendig

Bringen Sie den Plan in 1,60 m Höhe (vom Boden zur Planmitte) an stark frequentierten Stellen an, z. B. an Türen, in Fluren oder Treppenzugängen. Zusätzlich zum gut sichtbaren Flucht- und Rettungsplan sollten Sie im Gebäude mit entsprechenden Sicherheitskennzeichen darauf aufmerksam machen, wo sich Flucht- und Rettungswege, Feuerlöscher und Erste-Hilfe-Produkte befinden.

Wer darf einen Flucht- und Rettungsplan erstellen?

Da im Ernstfall Leben von ihm abhängen, sollten Sie sich im Arbeitsschutz oder bestenfalls im betrieblichen Brandschutz auskennen, wenn Sie den Plan selbst erstellen möchten. Im Idealfall können Sie das durch entsprechende Qualifikationen nachweisen.

Sollten Sie keine Ausbildung mit sicherheitstechnischem Schwerpunkt haben, können Sie die nötigen Kenntnisse in einer Weiterbildung zum Brandschutzbeauftragten erwerben. Entsprechende Lehrgänge und Prüfungen werden zum Beispiel von TÜV oder DEKRA angeboten. Sie können auch externe Experten mit der Anfertigung beauftragen.

Einen Flucht- und Rettungsplan selbst zu erstellen, kann eine Herausforderung darstellen, denn Sie müssen viele Normen und Details berücksichtigen. Dieses Problem umgehen Sie, indem Sie den Fluchtplan mit einer speziellen Software anfertigen. Dort sind die entsprechenden Vorgaben bereits im Programm hinterlegt, sodass Layout und Kennzeichnungen automatisch den Richtlinien entsprechen.

Fluchtplan regelmäßig prüfen und überarbeiten

Flucht- und Rettungspläne müssen regelmäßig überprüft werden. Die ASR A2.3 schreibt einen Prüfzyklus von zwei Jahren vor. Sollten Sie allerdings in der Zwischenzeit bauliche Veränderungen vornehmen, durch die sich Flucht- und Rettungswege verändern, müssen die Pläne sofort aktualisiert werden. Die Prüfung (und ggf. Revision) der Pläne müssen Sie lückenlos dokumentieren und eventuelle Überarbeitungen durch fortlaufende Revisionsnummern auf den Plänen kenntlich machen.

Mindestens einmal jährlich sollten Sie alle Mitarbeiter über das Verhalten in Brand- und Notfällen schulen und die reibungslose Räumung der Arbeitsstätte üben. Eine Schulung sollten Sie ebenfalls durchführen, wenn Fluchtwege sich geändert haben.

FAQ zum Thema Flucht- und Rettungsplan erstellen

Wer muss einen Flucht- und Rettungsplan erstellen?

Die Gesetzestexte sagen nicht explizit, in welchen Fällen ein Flucht- und Rettungsplan überhaupt erstellt werden muss. Aus § 4, Absatz 4 der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) lässt sich jedoch ableiten, dass Sie einen Fluchtplan erstellen müssen, wenn es sich um weitläufige Betriebsgebäude handelt, ein Fluchtweg nicht offensichtlich zu erkennen ist oder sich vorwiegend nicht ortskundige Personen in den Räumen aufhalten.
Außerdem können verschiedene Behörden einen solchen Plan für die Erteilung von Baugenehmigungen oder im Rahmen eines Konzepts zum betrieblichen Brandschutz fordern.

Welche Inhalte gehören in einen Flucht- und Rettungsplan?

Ein Flucht- und Rettungsplan muss alle Informationen enthalten, die es den Personen im Gebäude ermöglichen, sich selbst oder andere in einer Gefahrensituation schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen. Er besteht aus:
• Detailplan der Umgebung des entsprechenden Standorts
• Übersichtsplan der Betriebsanlage mit umliegenden Straßen und Gebäuden
• Legende aller verwendeten Piktogramme und Abkürzungen
• Infokasten zum Verhalten im Brandfall
• Infokasten zum Verhalten bei Unfällen
• Angaben zur Erstellung des Plans

Wer darf einen Flucht- und Rettungsplan erstellen?

Um einen Flucht- und Rettungsplan zu erstellen, müssen Sie sich gut im Arbeitsschutz, im betrieblichen Brandschutz und mit der DIN-Norm ISO 23601 auskennen und dies durch entsprechende Qualifikationen nachweisen können. Falls weder Sie noch einer Ihrer Mitarbeiter eine entsprechende Ausbildung mit sicherheitstechnischem Schwerpunkt hat, besteht die Möglichkeit, die nötigen Kenntnisse in einer Weiterbildung zum Brandschutzbeauftragten zu erwerben.

Wo und wie bringe ich einen Flucht- und Rettungsplan richtig an?

Bringen Sie den Plan in einer Höhe von ca. 1,60 Meter an – gemessen vom Boden etwa zur Planmitte. Wählen Sie eine stark frequentierte Stelle etwa im Hauseingang, Flur oder Treppengebäude.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel außerdem Sachverständige hinzugezogen werden.

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 – Zephyr18 , kickers