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Um die Sicherheit bei Arbeiten in der Höhe zu gewährleisten, muss ein Arbeitsgerüst bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Vor allem muss das Gerüst optimal auf die Tätigkeiten abgestimmt werden und Bestimmungen für Arbeitsschutz und Arbeitsplatzsicherheit erfüllen. Besonders die Abmessungen und Tragfähigkeit der einzelnen Gerüstlagen sind von Bedeutung: Diese sollen nicht nur ausreichend Bewegungsfreiheit bei der Arbeit bieten, sondern auch zusätzliche Lasten durch Baumaterialien oder schwere Maschinen tragen können.

Gerüstklassen geben darüber Auskunft, welche Maße ein Gerüst hat und wie stark es belastet werden darf. So können Sie Maße und Traglasten auf einen Blick erkennen und entsprechend der Arbeitsaufgabe auswählen. Erfahren Sie mehr über die Bedeutung und Anwendung einzelner Gerüstklassen und über die Klassifizierung der Zugänge.

Einteilung von Gerüstklassen in der DIN EN 12811

Die aktuell gültigen Gerüstklassen sind in Teil 1 der DIN EN 12811 „Temporäre Konstruktionen für Bauwerke“ festgelegt. Dort werden Gerüste nach drei verschiedenen Kriterien klassifiziert:

  • Breite
  • Höhe
  • Last

Jedes dieser Kriterien wird in mehrere Klassen eingeteilt. So gelten für jedes Gerüst drei verschiedene Gerüstklassen, die auch beliebig miteinander kombiniert werden können. Allerdings ergeben sich Einschränkungen aufgrund bestimmter Sicherheitsanforderungen. Zum Beispiel müssen Gerüste mit hoher Traglast eine Mindestbreite aufweisen, damit die Stabilität nicht gefährdet wird. Welche Lösung sich in der Praxis umsetzen lässt, hängt also nicht nur von den Gegebenheiten auf der Baustelle, sondern auch von gesetzlichen Bestimmungen ab.

Die Gerüstnormen schreiben außerdem eine deutliche Kennzeichnung sämtlicher Bauteile vor. So lässt sich an den entsprechenden Kürzeln auf einen Blick ablesen, welche Fläche und Durchgangshöhe zur Verfügung steht und wie stark das Gerüst belastet werden kann.

Lastklassen für Gerüste

Die wichtigste Größe für den Gerüstbau ist die maximale Belastung, der Sie die einzelnen Gerüstlagen und -felder aussetzen dürfen. Sowohl für den Arbeitsschutz als auch die Baustellensicherheit ist es entscheidend, dass die zulässigen Maximallasten nicht überschritten werden.

Die DIN EN 12811 teilt Gerüste in sechs Lastklassen ein und definiert die maximale Verkehrslast in kN/m2. Die Angabe bezieht sich immer auf das gesamte Gerüstfeld, also den Abschnitt zwischen zwei tragenden Ständerelementen. Sind mehrere Gerüstlagen vorhanden, muss die Flächenlast dementsprechend aufgeteilt werden.

LastklasseVerteilte Last in kN/ m2Konzentrierte Last auf 500 x 500 mm in kN/ m2Teilflächenlast in kN/m2
10,751,50
21,501,50
32,00 1,50
43,00 3,005,00
54,50 3,007,50
66,003,0010,00

Zusätzlich wird festgelegt, welche Arbeiten auf Gerüsten der jeweiligen Lastklassen ausgeführt werden dürfen.

  • Lastklasse 1: Arbeitsgerüste der Klasse 1 dürfen ausschließlich für Inspektionsarbeiten genutzt werden.
  • Lastklasse 2: Auf Arbeitsgerüsten der Klasse 2 dürfen Handwerksarbeiten wie Verputzen, Anstreichen, Verfugen oder Wartungstätigkeiten durchgeführt werden. Es ist möglich, geringe Lasten für eine kurze Dauer abzustellen, die Lagerung von Baustoffen und Arbeitsmaterialien ist hingegen nicht erlaubt.
  • Lastklasse 3: Auf einem Gerüst der Lastklasse 3 dürfen leichte Baustoffe und Arbeitsgeräte gelagert werden. Hebezüge und andere Einrichtungen zum Materialtransport sind jedoch nicht zulässig. Die Gerüstklasse 3 wird beispielsweise beim Dachdecken, zur Fassadendämmung oder bei Malerarbeiten eingesetzt. Sie zählt im Gerüstbau als vielseitige Standardlösung.
  • Lastklassen 4 bis 6: Ab der Gerüstklasse 4 muss die Belagfläche einer Gerüstlage zusätzlich eine zweite Last (siehe Teilflächenlast in der Tabelle) aushalten. Diese Arbeitsgerüste eignen sich für Arbeiten mit hohem Materialbedarf, da Sie Baustoffe direkt auf dem Gerüst lagern können. Um eine ausreichende Sicherheit und Bewegungsfreiheit zu gewährleisten, müssen diese Gerüste mindestens die Breitenklasse W 09 haben. Außerdem sind spezielle Unterlagen zur Lastenverteilung notwendig.

Beim Aufbau eines Gerüsts müssen alle Einzelteile die gleichen Gerüstklassen aufweisen. Kontrollieren Sie diese Angabe gründlich! Im Unterschied zur falschen Breite oder Höhe fällt die falsche Lastklasse nicht sofort auf – eine falsche Angabe kann allerdings sehr gefährlich sein: Wird das Gerüst zu stark belastet, kann es im schlimmsten Fall zu lebensgefährlichen Unfällen führen.

Breitenklassen für Gerüste

Die DIN EN 12811-1 legt sieben Breitenklassen für Gerüste fest, die von 0,60 m bis 2,40 m reichen. Sie werden mit dem Buchstaben W und der entsprechenden Zahl gekennzeichnet und steigen in 30-Zentimeter-Schritten an.

BreitenklasseAbmessungen in cm
W 0660 bis 89
W 0990 bis 119
W 1,2120 bis 149
W 1,5150 bis 179
W 1,8180 bis 209
W 2,1210 bis 239
W 2,4ab 240

Die Breite W umfasst auch das Bordbrett: Dieses darf nach der Norm maximal 30 mm dick sein. Denken Sie daran, dass sich die tatsächliche Stellfläche auf einer Gerüstlage dadurch reduziert, sodass Sie gegebenenfalls eine größere Breitenklasse wählen müssen. Außerdem wird in einigen Fällen die Systembreite (SW) angegeben. Dieser Wert bezeichnet den lichten Abstand zwischen den Ständern.

Höhenklassen für Gerüste

Gerüste werden in zwei verschiedene Höhenklassen eingeteilt. Diese werden mit H1 und H2 gekennzeichnet. Die Einteilung richtet sich nach folgenden Maßen und Abständen:

  • h1a: die lichte Höhe zwischen Gerüstlage und Querriegeln
  • h1b: die lichte Höhe zwischen Gerüstlage und Gerüsthaltern
  • h2: die lichte Schulterhöhe
  • h3: die lichte Höhe zwischen den Gerüstlagen

Der Abstand zwischen den Gerüstlagen beträgt mindestens 1,90 m. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Höhenklassen besteht in der lichten Durchgangshöhe: Das ist die Höhe vom Bodenbelag zum Querriegel der Gerüstkonstruktion oder zu einer eventuell hineinragenden Verankerung.

Höhenklasse / Lichte Höhe in m h1a und h1b h2h3
H1zwischen 1,75 und 1,89mind. 1,60mind. 1,90
H2ab 1,90mind. 1,75mind. 1,90

Die Höhenklasse H1 ist der Standard für Systemgerüste. Da in Deutschland für die meisten Bauprojekte ausschließlich Systemgerüste eingesetzt werden, kommt der Höhenklasse im Vergleich zu den anderen Kriterien eine eher geringe Bedeutung zu.

Klassifizierung der Zugänge zum Gerüst

Der Zugang zu den verschiedenen Gerüstlagen wird entweder über Leitern oder Treppen ermöglicht. Auch beim Umgang mit Leitern spielen die Lastklassen der Gerüste eine wichtige Rolle, denn es dürfen keine zu hohen Teilflächenlasten entstehen, die die Stabilität der Konstruktion gefährden könnten. Die Standardlösung für Systemgerüste sind Innenleitern, über die Sie die nächste Ebene erreichen.

Bis zu einer Höhe von fünf Metern sind auch Anstellleitern zulässig. Allerdings muss es sich dabei um Schrägleitern handeln, die in einem Winkel von 68° bis maximal 75° am Gerüst stehen. Eine besondere Bodensicherung muss die Leiter gegen Wegrutschen absichern; im Optimalfall wird sie direkt mit dem Gerüst verbunden. Müssen Sie für die Arbeit auf dem Gerüst Arbeitsmaterialien oder -geräte mit sich führen, sollten Sie eine Podesttreppe verwenden – diese ist deutlich sicherer.

Bei größeren Anlagen und Arbeiten mit hohem Materialbedarf ist die Einrichtung eines separaten Gerüstfelds für Leitern oder eines angrenzenden Treppenturms eine sichere Alternative zu Schrägleitern. Die Abmessungen und Traglasten der Treppen richten sich ebenfalls nach der Arbeitsaufgabe und der zu erwartenden Belastung.

FAQ zum Thema Gerüstklassen

Welche Gerüstklassen gibt es?

Die aktuell gültigen Gerüstklassen sind in Teil 1 der DIN EN 12811 „Temporäre Konstruktionen für Bauwerke“ festgelegt. Dort werden Gerüste nach Breite, Höhe und Verkehrslast klassifiziert und in Klassen unterteilt:
· sieben Breitenklassen (W 06 bis W 2,4)
· zwei Höhenklassen (H1 und H2)
· sechs Lastklassen (Klasse 1 bis 6

Was sind Gerüstlagen?

Eine Gerüstlage ist die gesamte Ebene innerhalb einer Gerüsteinheit. Je nach Größe des Gerüsts kann sie sich über mehrere Gerüstfelder ausdehnen. Bei der Berechnung von Traglasten sind alle Gerüstlagen innerhalb eines Gerüstfeldes zu berücksichtigen.

Was sind Lastklassen?

Die wichtigste Größe für die Arbeitssicherheit bei Gerüstarbeiten ist die maximale Belastung, der Sie die einzelnen Gerüstlagen und -felder aussetzen dürfen. Die DIN EN 12811 teilt Gerüste in sechs Lastklassen ein und definiert die maximale Verkehrslast in kN/m2. Die Angabe bezieht sich immer auf das gesamte Gerüstfeld, also den Abschnitt zwischen zwei tragenden Ständerelementen. Sind mehrere Gerüstlagen vorhanden, muss die Flächenlast dementsprechend aufgeteilt werden.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel außerdem Sachverständige hinzugezogen werden.

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