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Alleinarbeit gehört in vielen Handwerksunternehmen, Laboren oder Fertigungsbetrieben zum Arbeitsalltag: Vor allem auf Baustellen oder im Außendienst werden Montage- und Wartungsarbeiten häufig allein ausgeführt. Grundsätzlich ist das kein Problem, solange es möglich ist, die Aufgabe selbstständig auszuführen und dadurch kein erhöhtes Unfall- oder Verletzungsrisiko entsteht.

Dennoch gelten bei einigen Tätigkeiten besondere Vorschriften für den Arbeitsschutz, sobald Sie alleine arbeiten. Dazu gehören unter anderem eine Gefährdungsbeurteilung der jeweiligen Arbeitsaufgabe und damit verbundene, erhöhte Sicherheitsmaßnahmen, falls sie als „gefährliche Alleinarbeit“ eingestuft wird. Nach welchen Kriterien das geschieht, welche gesetzlichen Grundlagen es dafür gibt und wie Sie die Alleinarbeit für sich und Ihre Mitarbeiter so sicher wie möglich gestalten, haben wir in diesem Ratgeber für Sie zusammengestellt.

Was ist Alleinarbeit?

Als Alleinarbeit gilt jede Tätigkeit, die außerhalb der Ruf- und Sichtweite anderer Personen ausgeführt wird. Es muss also nicht Als Alleinarbeit gilt jede Tätigkeit, die außerhalb der Ruf- und Sichtweite anderer Personen ausgeführt wird. Es muss also nicht zwingend nötig sein, dass Sie tatsächlich als einziger Mensch auf einer Baustelle oder im Betriebsgebäude sind: Sobald Sie jedoch unbemerkt von Anderen einen Arbeitsunfall haben könnten, gilt Ihre Tätigkeit als Alleinarbeit. Viele alltägliche Arbeitssituationen werden entsprechend eingestuft. Typische Beispiele sind:

  • Montage- oder Reparaturarbeiten im Außendienst
  • Kleinaufträge für Handwerker (z. B. in Privathaushalten)
  • Gebäudereinigung nach Betriebsschluss
  • Arbeit in automatisierten Betriebsumgebungen
  • Arbeit in Klein- oder Ein-Personen-Betrieben
  • Lagerarbeiten oder Abfallentsorgung im Einzelhandel
  • Wach- und Sicherheitsdienste
  • Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft

Wenn es sich dabei um ungefährliche Tätigkeiten handelt, muss der Arbeitgeber lediglich seinen allgemeinen, arbeitsrechtlichen Grundpflichten nachkommen. Anders sieht es hingegen aus, wenn sogenannte „gefährliche Arbeiten“ allein ausgeführt werden. Dazu zählen alle Tätigkeiten, mit denen ein erhöhtes Sicherheitsrisiko verbunden ist, wie z. B. Arbeiten auf Leitern, Alleinarbeit im Labor (mit Gefahrstoffen) oder an elektrischen Anlagen. Um hierfür ausreichenden Unfallschutz gemäß des Arbeitsschutzgesetzes zu gewährleisten, muss der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung der Tätigkeiten vornehmen. Auf Grundlage dieser Beurteilung sind dann besondere Schutzmaßnahmen zu treffen. Diese können sowohl präventiv zur Vermeidung von Unfällen sein als auch eine schnelle Hilfe in Notsituationen gewährleisten.

Welche Schutzmaßnahmen können Alleinarbeit sicher gestalten?

Die DGUV-Vorschrift 1 legt im § 8 fest, dass alle als gefährlich eingestuften Arbeiten möglichst unter fachkundiger Aufsicht durchgeführt werden sollten. Lässt sich gefährliche Alleinarbeit jedoch nicht vermeiden, muss der Arbeitgeber zusätzlich für geeignete Personenschutzmaßnahmen sorgen: Diese sollen sicherstellen, dass Arbeitsunfälle so schnell wie möglich bemerkt werden und betriebliche Ersthelfer rechtzeitig Hilfe leisten können. Es wichtig, dass ein allein arbeitender Mitarbeiter im Notfall schnell Hilfe holen kann: Innerhalb von 15 Minuten sollte ein Helfer vor Ort sein können.

Stellen Sie sicher, dass ein Mobiltelefon oder elektronisches Meldesystem zur Verfügung steht! Das gilt besonders auch für Pausen, Schichtwechsel oder Urlaubs- und Fehlzeiten von Kollegen.

  • Der allein arbeitende Mitarbeiter sollte sich in regelmäßigen Abständen bei einer anderen Person melden.
  • Auch eine wiederkehrende kurze Beaufsichtigung durch eine weitere Person kann sinnvoll sein.
  • Falls möglich, ist ein Notfallschalter eine nützliche Hilfe. Dieser sollte einfach zu bedienen und leicht zu erreichen sein.

Gefahrensituationen bestmöglich vermeiden

Nicht immer sind es Unfälle, von denen eine Gefährdung für allein tätige Mitarbeiter ausgeht. Auch psychische Belastungen können die Sicherheit gefährden, zum Beispiel wenn sich jemand überfordert fühlt, da er Gefahrensituationen ohne Unterstützung durch Kollegen meistern muss. Je nach Tätigkeit und Arbeitssituation sollten Sie daher angstfreie und stabile Persönlichkeiten für die Alleinarbeit einsetzen.

Viele Alleinarbeiter sehen sich Angriffen durch andere Personen ausgesetzt – vor allem dann, wenn der Mitarbeiter mit wertvollen Gegenständen umgeht (z. B. Geld- oder Werttransport), oder wenn schwierige Personengruppen involviert sind (z. B. Menschen unter Drogen- oder Alkoholeinfluss beispielsweise in der Gastronomie, aber auch im öffentlichen Dienst oder Pflegeeinrichtungen).

Zur Prävention ist die Teilnahme an einem Deeskalationstrainig oder speziellen Sicherheitsschulungen ratsam, um den allein tätigen Mitarbeiter bestmöglich vor Gefahrensituationen zu schützen.

Welche Gesetze und Vorschriften regeln die Alleinarbeit?

Die wichtigsten Regelungen zur Arbeitssicherheit bei Alleinarbeit finden Sie im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) , das dazu die Gefährdungsbeurteilung und Risikoeinstufung einzelner Tätigkeiten und Arbeitsplätze aufführt und erläutert. Ergänzend dazu sind in der DGUV-Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ die Unfallverhütungsmaßnahmen am Arbeitsplatz versammelt.  In der ergänzenden DGUV-Regel 100-001 finden Sie darüber hinaus ausführliche Erläuterungen zur Umsetzung der DGUV-Vorschriften im Betriebsalltag.

Bei einigen Tätigkeiten ist Alleinarbeit grundsätzlich verboten und die Anwesenheit einer zweiten Person – entweder zur Überwachung oder zur Unterstützung – gesetzlich vorgeschrieben. Das gilt zum Beispiel für Arbeiten in Silos oder mit Sprengstoffen. In diesem Fall dürfen Sie niemals alleine arbeiten, selbst wenn Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsmaßnahmen vollständig eingehalten werden.

Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz

Das Arbeitsschutzgesetz sieht in § 5 für alle Tätigkeiten und Arbeitsplätze in einem Unternehmen eine allgemeine Gefährdungsbeurteilung vor: Diese bildet die Grundlage für sämtliche allgemeine Schutzmaßnahmen, mit denen ein Arbeitgeber sicherstellen muss, dass die Gesundheit der Mitarbeiter nicht durch die Ausübung ihrer Arbeit gefährdet wird. Dazu werden folgende Aspekte untersucht und in drei verschiedene Gefährdungsstufen (gering, erhöht, kritisch) eingeteilt. Gefahren bei Alleinarbeit können sich ergeben aus:

  • der Einrichtung der Arbeitsstätte bzw. des Arbeitsplatzes
  • der Arbeitstätigkeit
  • der Verwendung von (elektrischen) Maschinen, Werkzeugen oder Anlagen
  • bestimmten Fertigungs- oder Arbeitsprozessen
  • bestimmten Arbeitsmaterialien oder -stoffen
  • chemikalischen, biologischen oder physikalischen Einwirkungen
  • unzureichender Unterweisung oder Qualifikation von Mitarbeitern

Weisen die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung eine erhöhte bzw. kritische Gefährdungsstufe auf, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen, um das Restrisiko in einem akzeptablen Rahmen zu halten. Die Maßnahmen können vom verpflichtenden Tragen einer Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bis hin zur Einrichtung einer Personen-Notsignal-Anlage (PNA) reichen.

Checkliste – Alleinarbeit sicher gestalten

Ob Sie einen Mitarbeiter allein zu einer Baustelle schicken oder selbst in einem abgelegenen Bereich des Betriebs Arbeiten auf der Leiter erledigen: Bei gefährlicher Alleinarbeit ist eine gute Vorbereitung im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtig. Um Ihnen die Planung zu erleichtern, haben wir eine Checkliste mit den wichtigsten Punkten zusammengestellt. Bitte beachten Sie: Diese Checkliste bezieht sich ausschließlich auf Tätigkeiten, die Sie grundsätzlich allein ausüben dürfen:

Planung der Alleinarbeit  Check
Ist es unbedingt nötig, allein zu arbeiten? 
Fühlen Sie sich gesund und körperlich in der Lage, die Arbeit auszuführen? 
Hat die Tätigkeit ein erhöhtes Gefährdungspotenzial und gehört damit zur gefährlichen Alleinarbeit?   
Reichen die fachliche Qualifikation und Arbeitserfahrung aus, um die Aufgabe allein auszuführen und ggf. mit technischen Problemen umzugehen?   
Ist die erforderliche Persönliche Schutzausrüstung vollständig und in einwandfreiem Zustand? 
Sind alle beteiligten Mitarbeiter über den Arbeitseinsatz informiert und geschult, wie sie sich im Notfall verhalten müssen? 
Ist eine engmaschige Überwachung sichergestellt?   
Sind zeitnahe Unterstützung und Erste Hilfe möglich? 
Ist ein Notfallschalter oder eine Personen-Notruf-Anlage vorhanden?   
Funktionieren Melde-, Notsignal- und Notruf-Systeme einwandfrei? 

FAQ zur Alleinarbeit im Betrieb

Was ist Alleinarbeit?

Jede Arbeit, die außerhalb der Ruf- und Sichtweite anderer Personen ausgeführt wird, zählt als Alleinarbeit.

In welchen Branchen und bei welchen Tätigkeiten ist es üblich, allein zu arbeiten?

Grundsätzlich ist es nicht auf bestimmte Branchen oder Tätigkeiten beschränkt, allein zu arbeiten. In folgenden Tätigkeitsfeldern kommt es häufig vor, dass einzelne Personen Tätigkeiten verrichten, ohne in Sicht- oder Rufweite anderer Menschen zu sein:
· Lager
· Baustelle
· Land- und Forstwirtschaft
· Industrie
· Garten- und Landschaftsbau
· Sicherheitsdienst

Ist es erlaubt, alleine zu arbeiten?

Grundsätzlich ist Alleinarbeit erlaubt, solange es möglich ist, die Aufgabe selbstständig auszuführen und damit kein erhöhtes Risiko verbunden ist. Bei gefährlicher Alleinarbeit (z. B. Arbeiten auf Leitern, an Hochvoltanlagen oder mit gefährlichen Chemikalien) müssen besondere Arbeitsschutzmaßnahmen umgesetzt. Bei einigen Tätigkeiten, wie die Arbeit in Silos oder mit Sprengstoff, ist die Alleinarbeit gesetzlich untersagt. Informieren Sie sich deshalb im Voraus immer über die geltenden Bestimmungen.

Welche Gesetze regeln den Arbeitsschutz, wenn Sie alleine arbeiten?

Die wichtigsten Regelungen zur Arbeitssicherheit bei Alleinarbeit finden Sie im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und in der DGUV-Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“, deren Bestimmungen in der ergänzenden DGUV-Regel 100-001 ausführlich erläutert werden.

Welche Pflichten haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei Alleinarbeit?

Arbeitgeber müssen geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen, um Gefahren zu minimieren und das Restrisiko in einem akzeptablen Rahmen zu halten. Arbeitnehmer müssen sich an die Weisungen des Arbeitgebers halten und vor der Arbeit die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen treffen, z. B. Anlegen der Persönlichen Schutzausrüstung oder Funktionsprüfung der Maschinen.

Welche Maßnahmen können die Sicherheit für einzeln tätige Mitarbeiter erhöhen?

1. Mitführen eines Mobiltelefons oder elektronischen Meldesystems
2. Regelmäßige Überwachung durch eine zweite Person
3. Einhalten der Vorschriften, z. B. Anlegen von Schutzkleidung
4. Teilnahme an Sicherheitsschulungen oder Deeskalationstrainings, wenn bei der Alleinarbeit eine Gefährdung durch Personen vorliegt

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel außerdem Sachverständige hinzugezogen werden. 

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 – Marcelo Silva, DSCimage