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Reaktionsschnell, kompakt und dabei sehr wendig: Gabelstapler sind Flurförderzeuge, die im täglichen Betriebseinsatz durch ihre praktischen Eigenschaften überzeugen. Doch diese Stärken können bei unsachgemäßer Nutzung bzw. nicht ausreichender Befähigung zur Führung eines Staplers ein Sicherheitsrisiko sein. Das betrifft vor allem ein mögliches Umkippen des Staplers bei Wende- und Bremsmanövern, Kurvenfahrten, schnellen Richtungswechseln oder Schwerpunktverlagerungen der transportierten Güter. Zudem fahren Gabelstapler mit vorne oder seitlich herausragenden Gabelzinken – und das mit Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h.

Um das Unfallrisiko sowohl für die Fahrer als auch unbeteiligte Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten, gelten für Gabelstapler besondere Sicherheitsvorschriften: Sie dürfen nur mit einem speziellen Führerschein und nach einer ausführlichen Unterweisung gefahren werden, die zudem regelmäßig wiederholt werden muss.

In unserem Sicherheits-Ratgeber erfahren Sie mehr über die häufigsten Unfallsituationen mit dem Stapler, geben wir Tipps, wie Sie die Sicherheit beim Einsatz von Gabelstaplern erhöhen können und erläutern wir, welche gesetzlichen Vorschriften für den Arbeitsschutz im Umgang mit Staplern gelten.

Arbeitsunfälle mit dem Gabelstapler: Was gefährdet die Sicherheit am häufigsten?

In der Unfallstatistik 2019 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sind 36.080 Arbeitsunfälle mit Flurförderzeugen erfasst. Davon waren in 14.788 Fällen jeweils Stapler beteiligt. In der Statistik ist auffällig, dass fast die Hälfte der Geschädigten (6.795) den Stapler nicht selbst gefahren hat.  

Zu den häufigsten Unfallsituationen beim Betrieb von Gabelstaplern zählen:

UnfallgeschehenUrsachen
Anfahrunfälle, bei denen der Stapler einen Dritten verletzt  – zu hohe Geschwindigkeit
– ungenügende Sicht
– fehlende Bodenmarkierung
– enge Gänge und Rangierbereiche
– Unaufmerksamkeit oder Fahrlässigkeit des Fahrers oder des Geschädigten  
Stapler kippt beim Anheben der Last oder in einer Kurve  – Überschreitung der zulässigen Traglast
– ungleichmäßige Lastverteilung
– zu hohe Geschwindigkeit  
Absturz der Ladung  – Ladung unzureichend gesichert
– Kleinteile lösen sich
– Verpackung fehlerhaft  
Verletzungen der Gelenke, Sehnen und Bänder beim Auf- oder Absteigen vom Stapler  – Absprung aus großer Höhe
– unebener Untergrund
– Abrutschen von Stufen  

Während ein kippender Stapler und Verletzungen beim Auf- und Absteigen den Fahrer betreffen, gefährden herabstürzende Lasten und Anfahrunfälle vor allem unbeteiligte Dritte. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass nicht nur die Fahrer des Gabelstaplers regelmäßige Sicherheitsunterweisungen erhalten, sondern alle Mitarbeiter in Lager- und Produktionshallen mit Staplerbetrieb von einem Sicherheitsbeauftragten über die Gefahren aufgeklärt werden und eine gut sichtbare Sicherheitskennzeichnung zur Vorsicht mahnt.

Unfällen vorbeugen: Tipps für Stapler, Fahrer und Belegschaft

Aus den genannten, häufigsten Unfallursachen lässt sich bereits schließen, worauf es im Umgang mit Gabelstaplern ankommt und welche Situationen besonders gefährlich sind. So erhöhen Sie die Sicherheit für Ihre Mitarbeiter in Unternehmensbereichen mit Staplerbetrieb:

  1. Gabelstapler sollten nur von befugten Personen mit entsprechender Ausbildung und schriftlicher Beauftragung durch den Betrieb geführt werden:

    Schützen Sie den Stapler vor unbefugten Zugriffen, indem der Schlüssel immer abgezogen und an einem sicheren Ort aufbewahrt wird. Je nach Modell und Ausführung lässt sich der Stapler auch über Chipkarten oder PIN-Codes gegen unbefugten Zugriff absichern.

  2. Sicherheits- und Wiederholungsunterweisungen am Gabelstapler für alle Fahrer:

    Die gründlichen und regelmäßigen Unterweisungen erinnern Ihre Mitarbeiter daran, welche Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Staplern gelten und wie diese in der Praxis umzusetzen sind.

  3. Verfassen einer Betriebsanweisung zum Verhalten in Arbeitsbereichen mit Staplerbetrieb:

    Sie dient als Basis für die Schulung aller Mitarbeiter und wird anschließend an den entsprechenden Stellen im Betrieb ausgehängt.

  4. Auf die passende persönliche Schutzausrüstung im gesamten Arbeitsumfeld achten:

    Dazu gehören das Tragen von Schutzhelm, Sicherheitsschuhen und Warnweste.

  5. Tägliche Sicht- und Funktionsprüfung des Staplers vor dem Arbeitsantritt:

    Technische Mängel können so frühzeitig erkannt und der defekte Stapler ggf. aus dem Verkehr gezogen werden.

  6. Regelmäßige Reparatur und Instandhaltung:

    Der Hersteller oder entsprechend zertifizierte Unternehmen führen die Jahresprüfung (FEM-Prüfung) sowie Wartungsarbeiten im Rahmen von Wartungsverträgen durch, damit Gabelstapler vorschriftsmäßig funktionieren.

  7. Vorschriftsmäßige Nutzung und Kennzeichnung der Verkehrswege:

    Verkehrswege müssen breit genug sein, von Hindernissen freigehalten werden und mit Bodenmarkierungen und Warnschildern ausreichend gesichert sein. Werden die Gänge gleichzeitig als Förder- und Fußwege genutzt, ist eine Absperrung empfehlenswert. Panoramaspiegel an Kreuzungen verhindern die Gefahr von Zusammenstößen. Der zusätzliche Einsatz der Hupe beim Abbiegen warnt Mitarbeiter vor.

  8. Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten:

    Der Stapler sollte mit einer maximalen Geschwindigkeit von 8 km/h auf dem Betriebsgelände bewegt werden (bei schwerer Ladung ggf. auch langsamer), damit das Abbremsen bei unvorhergesehen Hindernissen sofort möglich ist.

  9. Sorgen Sie für gute Sicht:

    Dazu gehört, immer mit abgesenkter Last zu fahren. Ist der Sichtbereich dennoch eingeschränkt, sollte der Stapler rückwärts bewegt werden. Außerdem ist es sinnvoll, auch bei guter Beleuchtung am Gabelstapler zur Sicherheit das Licht einzuschalten.

  10. Kippgefahr vermeiden:

    Der Stapler darf nur mit abgesenkter Last bewegt werden. Rampen und Steigungen müssen gerade angefahren und Gefälle am besten rückwärts bewältigt werden. Damit Gabelstapler bei Kurvenfahrten nicht kippen können, ist auch hier eine gedrosselte Fahrgeschwindigkeit empfehlenswert.

  11. Die Ladung muss ausreichend gesichert sein:

    Das kann je nach Lastart z. B. mit Gurten oder durch eine geeignete Ladungssicherung mit Stretchfolie erfolgen. Vor der Aufnahme mit den Gabelzinken sind sowohl Paletten als auch ihre Ladung auf Schäden zu überprüfen. Antirutsch-Auflagen schützen zusätzlich das Transportgut und erhöhen die Arbeitssicherheit.

  12. Elektronische Fahrerassistenten nutzen:

    Diese verbessern die Sicherheit, indem sie Warntöne bei Kipp-, Kollisions- oder Absturzgefahr abgeben.

Gesetzliche Bestimmungen für die Sicherheit von Staplern

Die wichtigste Grundlage für den Umgang mit Staplern und anderen Flurförderzeugen ist die Unfallverhütungsvorschrift für Flurförderzeuge der DGUV, veröffentlicht als DGUV-Vorschrift 68. Sie ersetzt die berufsgenossenschaftliche Vorschrift BGV D27 und ist verpflichtend für alle Mitglieder der Berufsgenossenschaften.

Eine der ersten Bestimmungen für den sicheren Betrieb von Gabelstaplern betrifft die Voraussetzungen, die ein Mitarbeiter erfüllen muss, um überhaupt einen Stapler fahren zu dürfen:

  • Zunächst ist ein Mindestalter von 18 Jahren vorgeschrieben. Ausnahmen sind nur möglich, wenn das Staplerfahren ein wesentlicher Bestandteil der Berufsausbildung ist. In diesem Fall ist das Mindestalter auf 16 Jahre herabgesetzt.
  • Darüber hinaus ist ein spezieller Führerschein für Gabelstapler, eine Unterweisung für das jeweilige Fahrzeug und ein ausdrücklicher Auftrag vom Betrieb notwendig.

Den Flurmittelförderschein (umgangssprachlich Staplerschein) können Sie in DEKRA- oder TÜV-Ausbildungszentren oder in zertifizierten Betrieben (z. B. Staplerhersteller) ablegen. Die rechtliche Grundlage dafür bildet der DGUV-Grundsatz 308-001 (Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand).

Abgesehen von den Anforderungen an den Fahrzeugführer regelt die DGUV-Vorschrift 68 auch alle weiteren Aspekte, die Sie für den verantwortungsvollen und sicheren Einsatz von Staplern berücksichtigen müssen. Dazu gehören:

  • Standsicherheit
  • Tragfähigkeit
  • Ladungssicherung
  • Fahrverhalten (beladen und unbeladen)
  • Aufnehmen, Absetzen und Stapeln von Lasten
  • Auf- und Absteigen
  • Verlassen und Sichern des Gabelstaplers
  • Verkehrsführung in Lager und Betrieb (nötige Arbeitsgangbreite, Verhalten in Schmalgängen)
  • tägliche Funktionsprüfung vor dem Arbeitseinsatz
  • jährliche Sicht- und Funktionskontrolle durch Sachverständige (FEM-Prüfung)

Für die korrekte Umsetzung im Betriebsalltag werden einzelne Paragrafen außerdem in einer Durchführungsanweisung (DGUV-Vorschrift 68 DA) ausführlicher aufgeschlüsselt und um praktische Hinweise ergänzt. Mit der Beachtung dieser umfangreichen Sicherheitsvorschriften stellen Sie sicher, dass in Ihrem Betrieb Unfällen mit Staplern vorgebeugt wird.

FAQ zur Gabelstapler-Sicherheit

Was gefährdet die Sicherheit im Umgang mit dem Stapler?

Zu den meisten Arbeitsunfällen im Zusammenhang mit Gabelstaplern kommt es aufgrund schlechter Sicht, Überschreitung der Traglast, falscher Lastenverteilung, unzureichender Ladungssicherung und zu hoher Geschwindigkeit. Diese Faktoren führen im schlimmsten Fall zu Anfahrunfällen, zum Absturz der Ladung oder zum Kippen des Staplers.

Gibt es Tipps, um die Sicherheit im Umgang mit dem Stapler zu erhöhen?

Ausgebildetes und gut geschultes Personal, regelmäßige Funktionsprüfungen des Staplers, Einhaltung von Arbeitsschutz- und Sicherheitsvorschriften sowie die sorgfältige Ladungssicherung und eine umsichtige Fahrweise auf dem Betriebsgelände verringern das Unfallrisiko deutlich.

Welche gesetzlichen Grundlagen regeln den Einsatz von Gabelstaplern?

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallversicherung (DGUV) regelt in der Unfallverhütungsvorschrift für Flurförderzeuge DGUV-Vorschrift 68 sowie der ergänzenden Durchführungsanordnung alle Aspekte des Einsatzes von Gabelstaplern im Betrieb. Die Regelungen zur Ausbildung und Beauftragung der Fahrer finden Sie im DGUV-Grundsatz 308-001. Darüber hinaus gelten die allgemeinen Bestimmungen aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV).

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel außerdem Sachverständige hinzugezogen werden. 

Bildquelle: JH AG