Lesezeit: 5 Minuten

Handwerksbetriebe gelten seit jeher als nachhaltig – sie reparieren, statt neu zu produzieren. Und je nach Branche arbeiten sie mit nachwachsenden, umweltfreundlichen Ressourcen. Doch weitaus mehr Aspekte als Restauration oder Modernisierung machen Nachhaltigkeit im Handwerk aus. Auch die Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften, ein effizienter Einsatz von Materialien und die richtige Verwertung von Abfällen gehören dazu. Erfahren Sie, was eine nachhaltige Unternehmensführung beinhaltet und wie Sie Ihren Handwerksbetrieb möglichst umweltschonend und gleichzeitig wirtschaftlich führen können.

Warum umweltfreundliches Wirtschaften wichtig ist

Vor allem die junge Generation legt heute großen Wert auf Umweltschutz und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Nachhaltigkeit im Handwerk ist also nicht nur aus ideellen Gründen wichtig, sondern auch ein wichtiges Thema im Employer-Branding, um junge Nachwuchstalente anzuziehen. Viele Kunden kaufen mittlerweile lieber bei Unternehmen ein, die nachhaltig produzieren und einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Besonders in Handwerksbetrieben, die einen hohen Energieverbrauch haben, sind umweltfreundliche Strategien deshalb sehr gefragt: Das kommt nicht nur bei Kunden und Mitarbeitenden gut an, sondern hilft im Unternehmen auch, Kosten zu sparen.

Mehr Nachhaltigkeit im Handwerk – Tipps und Tricks zur Umsetzung


Eine nachhaltige Unternehmensführung zielt nicht nur auf die umweltfreundliche Gestaltung von Produktion und Lieferketten ab. Vielmehr ist hier ein ganzheitlicher Ansatz gemeint, der weitere Aspekte beinhaltet. Ein Unternehmen möglichst langfristig zu führen, um Arbeitsplätze zu sichern, fällt ebenso darunter wie beispielsweise das Bereitstellen von klimafreundlich produzierten Arbeitsmitteln und Geräten sowie ökologischer Arbeitskleidung. Auch eine umweltfreundliche und mitarbeiterfreundliche Unternehmensphilosophie kann zur Nachhaltigkeit im Handwerksbetrieb beitragen. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig:

  1. Nachhaltiger Materialeinsatz

    Gerade im Handwerk können Sie nachwachsende Rohstoffe verwenden, so ist beispielsweise Holz als Baustoff weit verbreitet. Weitere natürliche Dämmstoffe und Baumaterialien überzeugen zunehmend mit ihren Vorteilen und bieten umweltschonende Alternativen zu konventionellen Materialien. Achten Sie dabei immer auf die Gesamtökobilanz: Manchmal kann ein Kunststoff umweltfreundlicher sein als beispielsweise Baumwolle, für die in der Herstellung große Mengen Wasser verbraucht werden. Zudem sollten Sie möglichst regional produzierte Rohstoffe verwenden. Planen Sie Ihren Materialeinsatz möglichst effizient. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern Sie sparen zudem Kosten. Auch die Verwendung von wiederverwertbaren Materialien wie Recyclingbeton ist im Bauwesen möglich.

  2. Einsatz von erneuerbaren Energien

    Versuchen Sie, fossile Brennstoffe zu reduzieren und stattdessen auf erneuerbare Energien umzusteigen. Dazu können Sie Ökostrom beziehen, oder Sie erzeugen Ihren Strom selbst, indem Sie beispielsweise eine Photovoltaikanlage installieren.

  3. Papierlose Abrechnungen

    Dank der Digitalisierung im Handwerk wird es immer einfacher, die Verwaltung Ihres Betriebes papierfrei und somit umweltfreundlicher zu gestalten. Ob Werbung, Kundenkommunikation oder Buchhaltung – viele dieser Prozesse können Sie gänzlich digital durchführen. Immer mehr Handwerksbetriebe setzen auf Nachhaltigkeit und verzichten deshalb auf Ausdrucke auf Papier. Wo es doch einmal gebraucht wird, nutzen Sie am besten umweltfreundliches Recyclingpapier. Am Drucker sollte doppelseitiger Druck die Standardeinstellung sein.
    Einen Großteil der inner- und außerbetrieblichen Kommunikation können Sie per E-Mail bewerkstelligen. Doch auch diese hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Zwar werden nur 10 g CO2 pro Mail verbraucht (beim Briefversand innerhalb Deutschlands sind es 20 g). Doch weil es kostenlos und weniger aufwendig ist, versenden viele Menschen mehr E-Mails als nötig. Besser ist es, die Informationen gesammelt in einer Mail zu verschicken. Verzichten Sie auf E-Mails, die nur einen Satz oder ein „Danke“ enthalten, wann immer es möglich ist.

  4. Mobilität

    Wer Nachhaltigkeit im Handwerk etablieren möchte, kann beim Thema Mobilität leicht ansetzen. Mit einem elektrischen Firmenwagen gelangen Sie umweltschonend zu Kundenterminen. Zudem wird die Anschaffung von Elektroautos nach wie vor staatlich subventioniert. Müssen Sie nur wenige Materialien und Arbeitsgeräte mitführen, können Sie zumindest in größeren Städten auf folgende Möglichkeiten zurückgreifen:
    • Statten Sie Ihre Mitarbeiter mit Jobtickets für den öffentlichen Nahverkehr aus.
    • Nutzen Sie Carsharing-Anbieter – einige große Unternehmen haben sogar einen firmeneigenen Carsharing-Dienst etabliert.
    • Es muss nicht immer das Auto sein: Bieten Sie Ihren Mitarbeitern Dienstfahrräder statt Dienstwagen an. Für den Transport schwererer Güter eignen sich auch Lastenräder.
    • Absprache mit Kunden oder Mitarbeitern: Viele Besprechungen lassen sich auch online per Videomeeting durchführen. Das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern spart Zeit und Kosten. Sind Termine vor Ort unerlässlich, steigen Sie am besten auf den Zug um und fliegen Sie nur, wenn es unbedingt nötig ist.

  5. Umweltfreundliche Kantine und Kaffeeküche

    Auch die Verpflegung des Personals kann klimafreundlich erfolgen. In der Kaffeeküche können zum Beispiel Fair-Trade-Kaffee, Biomilch und Milchalternativen sowie regionales Obst angeboten werden. Spezielle Aufbereiter filtern das Leitungswasser oder versetzen es auf Wunsch mit Kohlensäure, sodass kein kostenintensives Flaschenwasser mehr nötig ist. Verfügt das Unternehmen über eine eigene Kantine, kann diese auf regionale und biologisch erzeugte Lebensmittel umgestellt werden. Eine weitere Möglichkeit ist, einen vegetarischen Tag einzuführen oder die Mahlzeiten insgesamt vegetarisch bzw. vegan zu gestalten.

  6. Lagerraum effizient nutzen

    Im Lager kommt es vor allem auf eine platzsparende, effiziente Lagerung an. Dazu benötigen Sie Aufbewahrungsmöglichkeiten, mit denen Sie den Stauraum optimal ausnutzen können. Wählen Sie außerdem möglichst energiefreundliche Fördertechnik
    Das heißt nun aber nicht, dass Sie Ihre gesamte Produktion, Unternehmensstruktur oder Ihre Bezugsquellen auf einmal umstellen müssen! Bereits jeder einzelne Schritt verbessert die Ökobilanz Ihres Unternehmens. Denken Sie dennoch ganzheitlich und seien Sie transparent, was den Nachhaltigkeitsstatus Ihrer Produkte betrifft. Nachhaltiges Handwerk muss nicht kompliziert sein! Sie können mit einfachen Dingen beginnen und zunächst beispielsweise darauf achten, Ihren Abfall richtig zu entsorgen. Das geht ganz einfach, und Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit im Handwerk.

  7. Müll vermeiden und richtig entsorgen

    Vermeiden Sie unnötigen Verpackungsmüll, indem Sie auf überwiegend nachhaltige, biologisch abbaubare und platzsparende Verpackungsmaterialien setzen. Inzwischen gibt es zahlreiche Alternativen zu Plastik auf dem Markt – zum Beispiel Bambus oder Stroh. Nicht immer ist das problemlos möglich. So kommt dem Umgang mit unvermeidbaren Abfällen eine besondere Bedeutung zu, wenn Sie ökologische Nachhaltigkeit in Ihrem Handwerksbetrieb etablieren wollen. Trennen Sie Restmüll, Biomüll, Kunststoffe sowie Papier und Pappe voneinander – beschriftete Abfallbehälter helfen, die richtige Mülltrennung einzuhalten. Informieren Sie sich auch darüber, wie Sie Gewerbeabfälle richtig entsorgen.

Viele Betriebsabläufe oder bestimmte Arbeitstechniken, die tagtäglich angewendet werden, gelten bereits als nachhaltig – und als selbstverständlich. Verwenden Sie beispielsweise ausschließlich FSC-zertifiziertes Holz oder steht Ihnen für die Logistik ein umweltschonendes Fahrzeug zur Verfügung, kommunizieren Sie dies nach außen! Lassen Sie Ihre Kunden und Vertriebspartner wissen, dass Ihr Handwerksbetrieb nachhaltig arbeitet. Dadurch präsentieren Sie Ihr Unternehmen zukunftsorientiert, modern und kundenorientiert.

Nachhaltigkeit im Handwerk – das sind die Vor- und Nachteile

Nachhaltige Prozesse und Verhaltensweisen im Unternehmen zu etablieren, ist nicht immer einfach, bietet bei erfolgreicher Umsetzung jedoch viele Vorteile – vor allem für Ihre Mitarbeiter und die Umwelt. Vor jeder neuen Prozessoptimierung kann eine Kosten-Nutzen-Analyse dafür sorgen, dass Sie einen Überblick über die geplanten Änderungen gewinnen und Schwachstellen schon vorab erkennen. Die Vor- und Nachteile, wenn Sie in Ihrem Handwerksbetrieb für mehr Nachhaltigkeit sorgen möchten:

VorteileNachteile
• viele Kunden kaufen lieber von nachhaltigen Unternehmen > stärkere Kundenbindung
• bestehende und künftige Mitarbeiter legen Wert auf Umweltfreundlichkeit > positives Employer-Branding
• der ökologische Fußabdruck des Unternehmens wird verringert
• nachhaltige Unternehmen sind generell auf Langlebigkeit ausgerichtet
• mit nachhaltigen Technologien wie Ökostrom oder Photovoltaik wird sich zukünftig Geld einsparen lassen  
• größerer Planungs- und Rechercheaufwand
• höhere Produktions- und Logistikkosten
• keine reine Gewinnorientierung, sondern Kompromiss aus Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
• nicht alle Produktionsprozesse lassen sich umweltfreundlich gestalten
• Nachhaltigkeit muss Kundschaft und Personal glaubhaft gemacht werden, Transparenz ist erforderlich

Sie möchten Ihrem Handwerksbetrieb zu mehr Nachhaltigkeit verhelfen? Achten Sie darauf, dass Ihre Nachhaltigkeitsstrategie mit den wirtschaftlichen Zielen des Betriebs zusammenpasst. Ein professioneller Nachhaltigkeitsmanager kann vor allem bei größeren Veränderungen zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen dafür sorgen, dass die Optimierungen gründlich geplant, gut umgesetzt und überwacht werden.

FAQs zu Nachhaltigkeit im Handwerk

Warum ist nachhaltiges Wirtschaften wichtig?

Vor allem die junge Generation legt heute großen Wert auf Umweltschutz und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Nachhaltigkeit im Handwerk ist also nicht nur aus ideellen Gründen wichtig, sondern auch ein wichtiges Thema im Employer-Branding, um junge Nachwuchstalente anzuziehen. Zudem kaufen viele Kundinnen und Kunden mittlerweile lieber bei Unternehmen ein, die nachhaltig agieren und einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Welche Maßnahmen fördern mehr Nachhaltigkeit im Handwerk?

• fossile Brennstoffe reduzieren
• Ökostrom beziehen
• möglichst nachwachsende oder recyclebare Rohstoffe einsetzen
• Verpackungsmüll vermeiden
• mit nachhaltig agierenden Dienstleistern, Herstellern und Lieferanten zusammenarbeiten
• elektrisch betriebene Fahrzeuge einsetzen
• effiziente Auslastung der Fahrzeuge.
• Herstellungsprozess neuer Produkte von Anfang an nachhaltig und umweltfreundlich gestalten

Welche Vor- und Nachteile hat nachhaltiges Wirtschaften im Handwerk?

Vorteile:
• viele Kunden kaufen lieber von nachhaltigen Unternehmen > stärkere Kundenbindung
• künftige Mitarbeiter legen Wert auf Umweltfreundlichkeit > positives Employer-Branding
• der ökologische Fußabdruck des Unternehmens wird verringert
• nachhaltige Unternehmen sind generell auf Langlebigkeit ausgerichtet
• mit nachhaltigen Technologien wie Ökostrom oder Photovoltaik wird sich zukünftig Geld einsparen lassen

Nachteile:
• größerer Planungs- und Rechercheaufwand
• höhere Produktions- und Logistikkosten
• keine reine Gewinnorientierung, sondern Kompromiss aus Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
• nicht alle Produktionsprozesse lassen sich umweltfreundlich gestalten
• Nachhaltigkeit im Handwerk muss Kundschaft und Personal glaubhaft gemacht werden, Transparenz ist erforderlich

Bildquellen:
© gettyimages.de –
svetikd