Lesezeit: 5 Minuten

Eines der entscheidendsten Kriterien beim Kauf eines Staplers ist das Hubgerüst, also die Mastart der Hubvorrichtung. Von der Hubgerüst-Art hängt nicht nur die maximale Hubhöhe ab, sondern sie hat auch Einfluss auf die Tragfähigkeit und die möglichen Einsatzgebiete des Flurförderzeugs. Mit verschiedenen Hubhöhen, Teleskopvarianten und Zusatzfunktionen haben Sie beim Hubgerüst zahlreiche Wahlmöglichkeiten, die eine optimale Abstimmung auf Ihre Lager- und Betriebslogistik ermöglichen. In unserem Ratgeber erfahren Sie, welche Hubgerüste es für Stapler gibt, wie sie sich voneinander unterscheiden, welche Vorteile sie jeweils bieten und wann ein Hubgerüst mit großem Freihub sinnvoll sein kann.

Grundsätzliches zu Hubgerüsten für Stapler

Das Hubgerüst eines Staplers wird entweder ausschließlich handhydraulisch oder mit Unterstützung eines Elektro-Motors betrieben. Bei hand-hydraulisch betriebenen Staplern – wie z. B. bei Hydraulik-Staplern – wird die Hydraulikpumpe des Hubgerüsts manuell aktiviert. Das Anheben der Last erfolgt entweder mittels Pumpschlägen mit der Deichsel, durch wiederholtes Betätigen eines Fußpedals oder über eine Handkurbel.

Im Gegensatz dazu sind Elektro-Stapler mit einer elektro-hydraulischen Hubvorrichtung ausgestattet. Durch das Hubgerüst, auch Hubmast genannt, werden der Lastträger und die Last vertikal bewegt. Die Abmessungen der Hubgerüste sind wesentliche Kriterien, um die Besonderheiten der unterschiedlichen Hubgerüste vergleichen zu können. Von besonderer Bedeutung sind dabei die nachfolgenden Begrifflichkeiten:

Begriff/ParameterBedeutung
Hubgerüst, BauhöheDie Bauhöhe bezeichnet die größte Höhe eines Flurförderzeugs, gemessen vom Boden. Sie kann sich aber bei Flurförderzeugen mit Hochhubeinrichtung – abhängig vom Hubgerüst – verändern, je nachdem ob der Mast ein- oder ausgefahren ist.
HubDer Begriff bezeichnet den vertikalen Weg des Lastträgers vom abgesenkten Zustand bis zur höchsten Stelle im angehobenen Zustand, gemessen jeweils an der Oberkante des Lastträgers (z. B. der Gabel oder Plattform).
maximale HubhöheDer Begriff bezeichnet den größtmöglichen Abstand vom Boden bis zur höchsten Lage des Lastaufnahmemittels (Oberkante der Gabel oder der Plattform) im gehobenen Zustand.

Welches Hubgerüst das richtige ist, hängt wesentlich von folgenden Fragestellungen ab:

  • In welche Höhen sollen die Waren eingelagert werden?
  • Welche Deckenhöhen weisen die Räumlichkeiten auf?
  • Sind niedrige Tor- und Türdurchfahrten zu berücksichtigen?

Simplexmast

Der Simplexmast – auch Einfach-Hubgerüst – besteht aus einem Hubrahmen, in dem der Gabelträger mittig läuft. Der Gabelträger wird über einen in der Regel in der Mitte angeordneten Hubzylinder direkt oder über eine Kettenumlenkung angehoben. Der Simplexmast verändert seine Bauhöhe auch bei bis zur maximalen Hubhöhe angehobenen Gabeln nicht.

VorteileNachteile
– stabileres Mastprofil als ein einsäuliger Monomast
– Hochhubwagen mit Simplexmast verändern ihre Bauhöhe – auch bei max. angehobenen Gabeln nicht  
– erreichen vergleichsweise nur geringe Hubhöhen (niedriger als die Bauhöhe)

Monomast

Bei einem Monomast handelt sich um einen schmalen, einsäuligen Standmast, der immer in der Staplermitte verbaut ist. Hieran ist die Hubvorrichtung mit den Lastgabeln befestigt, die nach oben bewegt werden kann. Die Bauhöhe des Masts bleibt während des Hubvorgangs unverändert, da der Hubschlitten direkt im Standmast nach oben fährt. Nur wenn die maximale Hubhöhe erreicht wird, erhöht sich die Bauhöhe durch den Gabelträgeraufbau geringfügig.

VorteileNachteile
– vergleichsweise geringes Eigengewicht, daher auch auf Zwischenböden einsetzbar
– sicheres Arbeiten da jederzeit freie Sicht auf das Transportgut und die Lagerumgebung möglich
– auch als mobiler Arbeitstisch einsetzbar
– Bauhöhe verändert sich nicht, daher auch Einsatz in Räumen mit vergleichsweise niedriger Deckenhöhe möglich
– nicht so stabil wie Duplex- oder Triplex-Masten
– nur geringe Hubhöhe erreichbar (niedriger als die Bauhöhe)

Duplexmast

Die Rahmenkonstruktion des Duplexmastes ist identisch zum Simplexmast. Allerdings verfügt der Duplexmast zusätzlich zum äußeren Standmast über einen inneren Fahrmast. Der Gabelträger wiederum läuft im inneren Hubrahmen. Er wird mittels einfacher Kettenumlenkung zusammen mit dem Fahrmast über einen Hubzylinder gemeinsam bewegt. Der Duplexmast ist ein zweifach hebender Mast, der teleskopiert.

Mann transportiert Kisten mit Hochhubwagen mit Zweifach-Hubgerüst

Duplexmasten gibt es dazu in zwei verschiedenen Ausführungen:

  • Duplexmast mit Zweifach-Hubgerüst mit Teleskop (ZT-Mast): Die meisten Elektro-Hochhubwagen mit ZT-Mast verfügen je nach Fahrzeugmodell über einen kleinen Freihub von 100 mm.  Der Hubschlitten bewegt sich zunächst – ohne die Bauhöhe des Hubgerüstes zu ändern – bis 100 mm nach oben. Das Hubverhältnis nach Ausschöpfen des kleinen Freihubs beträgt danach 2:1. Das bedeutet, dass ein Anheben der Gabeln um 200 mm ein Ausfahren des Mastes um 100 mm bewirkt.
  • Zweifach-Hubgerüst mit Zusatzhub (ZZ-Mast): Das Hubgerüst der ZZ-Masten ist aufgebaut wie das Zweifach-Teleskop-Hubgerüst (ZT-Mast), verfügt aber über einen zusätzlichen Hubzylinder, mit dem ein besonders großer Freihub (Zusatzhub) erreicht wird. Dieser Freihub wird ebenfalls mittels einer Kettenumlenkung realisiert. Nach dem Ausschöpfen des großen Freihubs fahren Gabelträger und Fahrmast im Verhältnis von 1:1 aus.

VorteileNachteile
– stabile Gerüstkonstruktion bietet höhere Hubhöhen als Mono- und Simplexmast
– kleiner Freihub ermöglicht bodenfreies Anheben und Verfahren des Transportguts, ohne dass sich die Bauhöhe ändert
– großer Freihub ideal zum Ein- und Ausstapeln von Waren in Räumen mit niedrigen Decken, in Waggons oder Überseecontainern
– erreicht weniger hohe Einlagerungshöhen als Fahrzeuge mit Triplexmast
– für spezifische Anwendungen kann ein höherer Freihub erforderlich sein

Triplexmast

Stapler mit Triplexmast (auch: Dreifach-Teleskop-Hubgerüst mit Zusatzhub (DZ-Mast)) sind besonders vielseitig einsetzbar. Das liegt am teleskopierbaren Hubgerüst, das die dreifache Hubhöhe des Außenmastes erreichen kann. Der dreistufig aufgebaute Mast besteht aus einem festen, mit dem Fahrzeug verbundenen, äußeren Standmast mit zwei fahrbaren Innenmasten, wobei der Hubschlitten mit dem Gabelträger sich am ganz innersten Mast nach oben bewegt. Diese Hubgerüstart lässt sich also insgesamt dreifach teleskopieren und erreicht so Hubhöhen von bis zu ca. 6 Metern.

Flurförderzeuge mit Triplexmast sind über einen zusätzlichen Hubzylinder mit einem besonders großen Freihub ausgestattet: Zunächst fährt hier der mittige Zylinder den Gabelträger mit einer Kettenumlenkung im Verhältnis von 2:1 aus. Danach fahren der mittlere und der innere Hubrahmen im gleichen Verhältnis aus. Der Gabelträger befindet sich dabei immer an höchster Stelle des inneren Hubrahmens.

VorteileNachteile
– bestes Verhältnis von Bauhöhe zu Hubhöhe: bei niedriger Bauhöhe sehr hohe Hubhöhen erreichbar
– standardmäßig mit besonders großem Freihub ausgestattet
– daher sowohl in Umgebungen mit niedrigen Deckenhöhen und Durchfahrten als auch zum Be- und Entladen von hohen Lagerregalen geeignet  
– kostenintensiv in der Anschaffung, da technisch besonders ausgereiftes Hubgerüst

Hubgerüste mit Freihub – die Vorteile für Anwender

Frau arbeitet mit Hubgerüst mit Freihub

Für Lagerumgebungen, in denen z. B. niedrige Durchfahrten mit dem Stapler passiert werden müssen, können Flurförderzeuge mit Freihub eine sinnvolle Anschaffung sein. Der Freihub bezeichnet die Höhe, auf die der Hubschlitten eines Hochhubwagens mit Duplex- oder Triplexmast angehoben werden kann, ohne dass der Innenmast ausfährt: Bei einem Stapler mit beispielsweise 45 cm Freihub können Sie die Last also auf diese Höhe anheben, ohne dass sich die Bauhöhe des Staplers verändert. Bei der Freihubfunktion für Stapler-Hubgerüste wird zwischen drei unterschiedlichen Arten unterschieden:

  • Kleiner Freihub: Dieser Hub hebt den Gabelträger bis zu 100 mm an, ohne dass sich die Bauhöhe des Hubgerüstes verändert. So können Paletten bodenfrei angehoben und verfahren werden, ohne dass sich die Bauhöhe verändert.
  • Großer Freihub (Vollfreihub): Ein großer Freihub wird durch einen zweiten Hubzylinder erreicht: Der Innenmast fährt erst aus, wenn der Freihub ausgeschöpft ist. Staplerhubgerüste mit Vollfreihub lassen sich so sowohl bei der Be- und Entladung von Containern, LKW und in Räumen mit niedrigen Decken nutzen als auch beim Ein- und Ausstapeln von Waren in hohen Lagerregalen.

Bei einem Hochhubwagen ohne Freihub fährt der Teleskopmast aus, sobald Sie die Ladung anheben. Aufgrund der dadurch veränderten Bauhöhe des Mastes hat das einen entscheidenden Einfluss auf die Einsatzmöglichkeiten des Staplers in Innenräumen: In Lager- oder Verkaufsflächen mit niedrigen Decken oder Türen können so mitunter Stapler ohne Freihub nicht oder nur sehr eingeschränkt genutzt werden.

FAQ zu Hubgerüst-Arten bei Staplern

Was ist der Unterschied zwischen einem Monomast und einem Simplexmast?

Bei einem Monomast handelt es sich um einen einsäuligen Hubmast, der mittig am Stapler positioniert ist. Der Simplexmast ist hingegen ein zweisäuliger Hubrahmen, der aufgrund der robusteren Konstruktionsweise höhere Traglasten bewältigen kann. Beide Hubgerüstarten sind nicht teleskopierbar und verändern dadurch ihre Bauhöhe nicht.

Was ist der Freihub bei einem Stapler?

Unter einem Freihub versteht man die Höhe, auf die der Hubschlitten eines Hochhubwagens mit Duplex- oder Triplexmast angehoben werden kann, ohne dass der Innenmast ausfährt. Innerhalb des Freihubs verändert sich die Bauhöhe des Staplers also nicht. Es wird zwischen kleinem Freihub (ca. 100 mm) und großem Freihub (auch: Vollfreihub) unterschieden.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen den einzelnen Hubgerüstarten und der Resttragfähigkeit?

Nur die wenigsten Elektro-Hochhubwagen behalten ihre volle Nenntragfähigkeit bei maximal ausgenutzter Hubhöhe. Hier ist immer jeweils die im Traglastdiagramm ausgewiesene Resttragfähigkeit zu beachten. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserem Ratgeber zur Tragfähigkeit bei Staplern und Hubwagen.

Bildquelle: JHPS