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Handwerklich-technische Berufe wie Tischler, Maurer, Zimmerer oder Kfz-Mechaniker gelten seit vielen Jahrzehnten als typische „Männerberufe“. Diese Anschauung gilt heute vielfach als veraltet. Dennoch ist der Anteil von Frauen in technisch ausgerichteten Handwerksberufen nach wie vor deutlich geringer als der ihrer männlichen Kollegen. Das bestätigen diverse Statistiken, wie beispielsweise die des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) über Frauen im Handwerk oder der Handwerks-Beschäftigungsindex von Jungheinrich PROFISHOP.

In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie die Berufssituation für Frauen im Handwerk aktuell aussieht, warum Frauen für das Handwerk wichtig sind, welche Berufseinstiegschancen sich für Frauen in technischen Berufen ergeben und was Handwerksbetriebe tun können, um ihre Unternehmen für weibliche Azubis und Handwerkerinnen attraktiv zu machen.

Warum Frauen für Handwerksbetriebe wichtig sind

Lange galt das Handwerk als reine Männerdomäne, doch mittlerweile finden immer mehr Frauen den Weg in handwerkliche Berufe. Es gibt gute Gründe für Betriebsinhaber, mehr Frauen im Handwerk zu beschäftigen und ihnen den Weg in „Männerberufe“ zu ermöglichen.

  • Betriebsklima: Umfragen zeigen, dass durch Frauen in Handwerkerpositionen oftmals die Betriebsatmosphäre positiver wahrgenommen wird. So können Frauen häufig andere Lösungsansätze für Problemstellungen liefern als ihre männlichen Kollegen.
  • Arbeitsqualität: Frauen arbeiten nach Ansicht vieler Betriebsinhaber genauer und sauberer als ihre männliche Mitarbeiter. Die Arbeitsqualität hängt nicht vom Geschlecht ab, sondern von den Fähigkeiten und der Motivation des Einzelnen.
  • Positives Image: Nicht zuletzt sind Handwerksbetriebe mit einem hohen Anteil an Handwerkerinnen auch ein positives Signal für Kunden: Diese bewerten in Studien Handwerksbetriebe mit weiblichen Fachkräften als modern und fortschrittlich. Auch das ist für Handwerksbetriebe ein Signal dafür, proaktiv etwas für mehr weibliche Azubis in Handwerksberufen zu tun.

Wo und wie Sie für Ihren Betrieb passende Azubis suchen können, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Welche Vorteile haben Frauen, die in Handwerksberufen arbeiten?

Nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels und vieler unbesetzter Lehrstellen sind gerade im Handwerk und in technischen Berufen die Einstiegschancen für Frauen sehr gut. Doch es gibt noch weitere Gründe, warum Frauen über die Arbeit in einem Handwerksberuf nachdenken sollten:

  • Zukunftssicherer Job: Der Handwerksbranche in Deutschland geht es blendend. Das hat für fast alle Gewerke volle Auftragsbücher zur Folge – und für Handwerkerinnen einen sicheren Arbeitsplatz.
  • Abwechslungsreicher Arbeitsalltag: Berufe im Handwerk erfordern entgegen gängiger Klischees oftmals mehr als nur eintönige Handarbeit. Tatsächlich sorgen der Umgang mit Kunden, die Produktionsplanung oder auch herausfordernde Projekte für Abwechslung bei der täglichen Arbeit.  
  • Gute Karrierechancen: Auch in der Handwerksbranche bieten sich Arbeitnehmerinnen viele Möglichkeiten, auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Durch Fortbildungen zur Meisterin oder Technikerin können Frauen hier zu gefragten Spezialistinnen in ihrem Gewerk werden – auch wenn sie als Managerin tätig sein oder sich im Handwerk selbstständig machen möchten.
  • In familienfreundlichen Unternehmen arbeiten: Vor allem kleine Handwerksbetriebe sind häufig von einer familiären Arbeitsatmosphäre geprägt, bei der die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter im Vordergrund stehen. Für Handwerkerinnen mit Familie lassen sich in so einem Arbeitsumfeld die beruflichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen besser miteinander vereinbaren.
  • Bundesweit arbeiten: Während manche Berufsgruppen oder Branchen nur in einer bestimmten Region vorhanden sind, gibt es für Handwerkinnen auch bundesweit attraktive Jobangebote. Dass man für die Arbeit nicht umziehen muss, sondern auch vor der eigenen Haustür den Traumjob findet, ist für heimatverbundene Frauen ein großer Vorteil.  

Männer und Frauen im Handwerk – wer arbeitet in welchen Berufen?

Laut der genannten Studienergebnisse machen weibliche Handwerksgesellinnen, technische Facharbeiterinnen oder Meisterinnen nur knapp ein Fünftel aller Handwerker aus. In kreativen Handwerksberufen überwiegt der Frauenanteil:

  • 99,2 % in der Kosmetik
  • 84 % Maßschneider
  • 80, 2 % Konditorenhandwerk
  • 76, 6 % Gold- und Silberschmiede
  • 74, 7 % Friseurhandwerk

Ähnlich sieht es bei der operativen Belegschaft in Handwerksbetrieben aus: Hier werden fast 70 % aller Jobs von Frauen ausgeführt, wie etwa in der Buchhaltung, der Bürowirtschaft oder im Controlling. In diesen Berufen sind es laut der Studien vor allem auch die guten Verdienstmöglichkeiten und die Weiterbildungsoptionen, die diese Jobs für Frauen attraktiv machen. Ein positiver Trend zeigt sich jedoch auch bei der Unternehmensführung und -gründung im Handwerk: Bereits heute werden schon 20 % der Handwerksbetriebe durch Frauen geleitet.

Demgegenüber stehen die handwerklich-technischen Berufe. Bei Maurern und Betonbauern beträgt der Frauenanteil gerade 1, 1 %, bei Informationstechnikern 1, 9 % und bei den Klempnern 2, 1 %. Mögliche Gründe für den geringen Frauenanteil in technischen Handwerksberufen ist die Angst davor, von Kollegen nicht anerkannt zu werden oder die körperlich schwere Arbeit nicht zu schaffen.

In unserem Beschäftigungsindex für handwerklich-technische Berufe in der DACH-Region finden Sie beispielhafte Daten über Frauen im Handwerk:  zum Anteil, zur Ausbildungssituation und zu den Verdienstmöglichkeiten in verschiedenen Berufen.

Trendwende bei der Ausbildung – der Weg zu technischen Berufen für Frauen

Waren bisher als „kreative Handwerksberufe für Frauen“ betrachtete Jobs wie Schneiderin, Goldschmiedin oder Augenoptikerin bei Frauen gefragt, sind mittlerweile auch immer mehr typische „Männerberufe“ beliebt: Gewerke wie Dachdecker, Maler oder Zimmerer ziehen zunehmend weibliche Azubis an. Das hat dazu geführt, dass in den letzten 15 Jahren mehr Ausbildungsstellen im Handwerk durch Frauen besetzt werden konnten.

Die Tabelle zeigt die Beliebtheit verschiedener Ausbildungsberufe bei männlichen und weiblichen Azubis:

Ausbildungsberufeweibliche Azubis*männliche Azubis*
Friseur14.8585.036
Büro-Manager7.1162.525
Zahntechniker3.0092.356
Tischler2.35515.660
Kfz-Mechatroniker2.35061.537
Maler und Lackierer2.17012.087
Konditor3.226787

*gemäß ZDH-Studie von 2019

Obwohl auch hier die Aufteilung nach „Frauenberufen“ (z. B. Friseur) und „Männerberufen“ (z. B. Kfz-Mechatroniker) noch deutlich zu erkennen ist, gibt es für andere Berufe im Handwerk bereits eine Trendwende. Die Zahlen der ZDH von 2019 zeigen deutlich, dass sich sogar regelrechte Favoriten unter den Handwerksberufen etablieren konnten: So nahm der Anteil weiblicher Auszubildender in Gewerken wie

  • Konditor um 20 %,
  • orthopädischer Schuhmacher bzw. Techniker um 15 % und
  • Raumausstatter um 10 % zu.

Die Bemühungen von Betrieben und Ausbildungsstätten, Handwerksberufe für Frauen noch attraktiver zu machen, können hier in Zukunft für noch mehr Durchmischung bei den Handwerksberufen sorgen. Mit unseren Tipps können Sie diesen Prozess als Betriebseigner aktiv vorantreiben.

Mit diesen Tipps erhöhen Sie den Frauenanteil in Ihrem Handwerksunternehmen

So gestalten Sie ihren Handwerksbetrieb attraktiver für weibliche Bewerber:

  1. Progressive Unternehmenskultur

    Spott von männlichen Kollegen oder Kunden, die Handwerkerinnen nichts zutrauen: Wenn weibliche Mitarbeiter in einem Handwerksbetrieb befürchten müssen, dass ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse per se als minderwertiger betrachtet werden als die ihrer männlichen Kollegen, macht das eine Beschäftigung für Frauen im Handwerk nicht gerade attraktiv. Als Betriebsinhaber sollten Sie deshalb ein faires Arbeitsklima kultivieren.
    Gehen Sie dabei selbst mit gutem Beispiel voran:
    • Dazu sollten Sie weibliche Mitarbeiter genau so behandeln wie die männlichen, also weder benachteiligen noch bevorzugen.
    • Etablieren Sie Werte für ein respektvolles Miteinander.
    • Machen Sie auch gegenüber Ihren Kunden deutlich, dass Sie ausschließlich kompetente Mitarbeiter beschäftigen – unabhängig vom Geschlecht.

  2. Angepasste Stellenausschreibung

    Studien verschiedener Personalvermittlungsagenturen zeigen, dass Frauen Stellenausschreibungen anders lesen als Männer: Männliche Arbeitssuchende legen den Fokus vor allem darauf, was ihnen der Arbeitgeber bieten kann – Frauen schauen eher, welche Qualifikationen erwartet werden, und fragen sich entsprechend häufiger, ob sie diese auch erfüllen können. Um weibliche Bewerber nicht von vornherein abzuschrecken:
    • Sollten Sie Ihre Stellenausschreibungen daher nicht mit kleinteiligen Leistungsanforderungen überfrachten.
    • Beschränken Sie sich auf das Wesentliche.
    • Gleichzeitig sollten Sie Ihre Unternehmenswerte und Ihre faire Unternehmenskultur in den Vordergrund stellen.

  3. Automatisierte und digitalisierte Technik zur Unterstützung bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten

    In vielen Handwerksberufen ist neben Fingerfertigkeit und technischem Verständnis auch eine gute Portion Muskelkraft gefragt – etwa, wenn schweres Gerät, Rohstoffe oder Werkzeuge bewegt werden müssen. Mit modernen Arbeitsmitteln wie etwa Elektro-Hubwagen oder Hebezeugen unterstützen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und tragen außerdem zum Arbeitsschutz bei. Ein positiver Nebeneffekt: Von der modernen und effektiven Arbeitsplatzausstattung profitieren alle Mitarbeiter in Ihrem Betrieb.

  4. Gleichberechtigte Löhne

    Laut einer Erhebung des statistischen Bundesamtes von 2019 zum Gender Pay Gap verdienen Frauen durchschnittlich immer noch 19 % weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen. Das betrifft auch viele Handwerksberufe und einen triftigen Grund gibt es dafür nicht. Um Ihr Handwerksunternehmen für weibliche Mitarbeiter attraktiver zu machen, sollten Sie deshalb auf Gleichberechtigung bei der Entlohnung setzen: Machen Sie die Lohnstruktur für alle Mitarbeiter transparent und vergeben Sie Sonderzahlungen und Boni nicht nach Geschlecht – sondern ausschließlich nach Leistung.

  5. Den Einstieg so einfach wie möglich machen

    Bieten Sie Praktika, Betriebsführungen oder Probearbeitstage an, um die Hemmschwelle für weibliche Azubis möglichst niedrig zu halten. So können die jungen Frauen nicht nur ein besseres Bild von Ihrem Betrieb und den Aufgaben des Berufs gewinnen: Schnupperangebote nehmen auch die Angst und Vorurteile vor technischen bzw. traditionell männlich besetzten Berufen – und leisten bei der Wahl eines Ausbildungsplatzes im Handwerk vielleicht die noch nötige Überzeugungsarbeit.

Förderinitiativen für mehr Frauen im Handwerk

Das Entwicklungspotential und die Karrierechancen sind für Frauen in Handwerksberufen ausgezeichnet. Jedoch sind oftmals Anreize notwendig, damit Frauen vor vermeintlich typischen Männerberufen die Scheu genommen und der Einstieg erleichtert wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich Handwerksfirmen mit einem gendersensiblen Image – jenseits veralteter Stereotypen – präsentieren. 

Dazu unterstützen neben dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales auch diverse Institutionen und Verbände weibliche Nachwuchskräfte bei der Berufswahl, wie zum Beispiel der ZDH oder das Institut für Betriebsführung. Bei Mädchen und junge Frauen soll bereits während der Schulzeit das Interesse für handwerklich-technische Berufe geweckt werden, indem beispielsweise ein besonderer Fokus auf Fächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT-Fächer) gelegt wird. Durch die Initiativen erhalten auch Eltern, Lehrer und Erzieher Materialien und Hilfestellungen an die Hand.

Beispiele bekannter Initiativen zur Förderung von Mädchen und Frauen im Handwerk:

  • Girls Day: Mädchenzukunftstag (ab Klasse 5) zur technischen Berufsorientierung in ganz Deutschland
  • Klischee frei: Initiative zur Berufs- und Studienwahl abseits von Geschlechterklischees
  • Komm, mach MINT: bundesweite Netzwerk-Initiative für MINT-Studiengänge und -Berufe
  • #frauenkönnenhandwerk: bundesweite Kampagne über erfolgreiche Handwerkerinnen auf Plakaten, Postkarten sowie online

FAQ zu Frauen im Handwerk

Wie viele Frauen arbeiten im Handwerk bzw. wie groß ist ihr Anteil?

Laut statistischen Angaben der ZDH beträgt der Frauenanteil in handwerklichen Berufen insgesamt 36 %. Werden die Gewerke nach Gewerbegruppen aufgeteilt, so findet sich der höchste Anteil weiblicher Fachkräfte bei personenbezogenen Dienstleistungen mit 81 %. Im Anschluss folgen Lebensmittel- und Gesundheitsbereiche mit 66 % und 60 %. Im Baugewerbe sind es dagegen nur 10 %. Schaut man direkt in die Handwerksbetriebe zeigt sich, dass rund 70 % der Frauen als kaufmännische Fachkräfte tätig sind. Als Gesellen oder Meister arbeiten hingegen jeweils nur knapp 20 %.

Sind Handwerksberufe für Frauen körperlich anstrengend?

Grundlegend kann diese Frage mit nein beantwortet werden. Es gibt viele technische Hilfsmittel, die körperlich schwere Tätigkeiten unterstützen und so den Körper entlasten. Außerdem tragen automatisierte und digitalisierte Arbeitsabläufe dazu bei, dass physiologische Unterschiede ausgeglichen werden können. Auch wenn für bestimmte Handwerksberufe eine gewisse körperliche Fitness notwendig ist, spielt es prinzipiell keine Rolle, ob das Gewerk von einer Frau oder einem Mann ausgeübt wird.

Welche Kampagnen oder Initiativen fördern Frauen in Handwerksberufen?

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat unterschiedliche Initiativen ins Leben gerufen, um Frauen in handwerklich-technischen Berufen zu fördern. Dazu unterstützen in Deutschland diverse Institutionen und Verbände weibliche Nachwuchskräfte bei der Berufswahl. Am bekanntesten ist dabei die Initiative „Girls Day“ der Bundesregierung und ZDH. Mädchen ab der fünften Klasse und junge Frauen werden dadurch bereits während der Schulzeit angesprochen und das Interesse für handwerklich-technische Berufe geweckt.

Daneben setzt sich die bundesweite Initiative „Komm, mach MINT“ für mehr Frauen in MINT-Studiengängen und -berufen ein. „Klischee frei“ ist eine weitere Kampagne zur Studien- und Berufswahl, die veraltete Rollenbilder im Handwerk in Frage stellt. Darüber hinaus werden erfolgreiche Handwerkerinnen und Fachexpertinnen in der bundesweiten Kampagne „#frauenkönnenhandwerk“ beispielhaft vorgestellt.

Bildquellen:
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