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Als Eigentümer eines – mitunter sogar traditionsreichen – Handwerksbetriebs möchten Sie Ihr Unternehmen in guten Händen wissen, wenn Sie in den Ruhestand gehen. Damit sind Sie nicht allein: Laut des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) müssen sich in den kommenden Jahren über 800.000 Inhaber eines mittelständischen Handwerksbetriebs mit der Betriebsnachfolge auseinandersetzen. In diesem Zusammenhang erschwert nicht nur der Fachkräftemangel die angehenden Ruheständler bei der Suche nach dem passenden Nachfolger, sondern müssen auch organisatorisch und rechtlich viele Details vor dem Geschäftsausstieg geregelt werden.

Wir informieren Sie, wann Sie am besten damit beginnen, die Betriebsnachfolge zu planen und welche Vorbereitungen dazu zu treffen sind. Außerdem erfahren Sie, wie Sie einen geeigneten Unternehmensnachfolger suchen und finden.

So früh wie möglich starten – der Zeitfaktor bei der Betriebsübergabe

Eine Betriebsnachfolge ist ein aufwändiges und organisatorisch kleinteiliges Unterfangen. Damit bei der Betriebsübergabe an einen Nachfolger alles in geordneten Bahnen verlaufen kann, sollten Sie deshalb frühzeitig damit anfangen, die Unternehmensnachfolge zu regeln. Der ZDH empfiehlt hier, bereits ab dem 55. Lebensjahr die ersten Weichen zur Betriebsnachfolge zu stellen bzw. mindestens 5 bis 10 Jahre in die Betriebsnachfolgeplanung zu investieren. So sind Sie auch für den Fall vorbereit, dass Sie aufgrund von Krankheit oder Invalidität früher als geplant die Verantwortung für Ihren Betrieb aus der Hand geben müssen.

Ist der Zeitpunkt der Betriebsübergabe schließlich gekommen, sollten Sie auch hierfür einen ausreichend großen Zeitrahmen berücksichtigen: Ihr Unternehmensnachfolger kann sich so gänzlich in alle betrieblichen Abläufe einarbeiten, Mitarbeiter und Kunden kennenlernen und sich mit der Betriebskultur und -geschichte vertraut machen.

So finden Sie einen geeigneten Betriebsnachfolger

Laut des ZDH ist die größte Herausforderung bei der Betriebsübergabe im Handwerk die, dass sich keine geeigneten Nachfolger finden lassen oder sich die Suche nach passenden Nachfolgern als sehr langwierig gestaltet. Kein Wunder: Von einem Betriebsnachfolger in einem Handwerksbetrieb versprechen sich schließlich die meisten Betriebsinhaber, dass er den Betrieb umsichtig und kompetent führt, Altbewährtes wertschätzt und fortführt und das Unternehmen gleichzeitig für neue Herausforderungen vorbereitet. Neben soliden Kenntnissen und Erfahrungen im jeweiligen Gewerk muss der Nachfolger darüber hinaus auch kaufmännisches Wissen und Führungskompetenz mitbringen.

Die Verantwortung für den Handwerksbetrieb in die Hände der Familie legen

Was liegt da näher, als die Unternehmensnachfolge den eigenen Kindern oder Verwandten anzuvertrauen? Tatsächlich ist diese über Schenkung, Übertragung oder Verkauf geregelte Unternehmensnachfolge bei deutschen Handwerksbetrieben sehr beliebt – besonders dann, wenn es sich um ein traditionsreiches Familienunternehmen handelt. Die Vorteile liegen hierbei auf der Hand: Das Unternehmen und die damit verbundenen Werte und Errungenschaften bleiben in der Familie. Und: Vielen Betriebseignern fällt es weniger schwer, die Verantwortung für den Betrieb aus der Hand zu legen, wenn die eigenen Kinder die Betriebsnachfolge übernehmen.

Dennoch birgt dieser Weg auch einige Risiken: Ihr Wunschnachfolger aus dem Familienkreis sollte auch über die geeigneten Kompetenzen verfügen, um den Betrieb übernehmen zu können. Ist dies nicht der Fall, sollten Sie mindestens einen geeigneten externen Nachfolger mit ins Boot holen oder den Betrieb doch lieber auf einen familienfremden Nachfolger übertragen.

Mitarbeiter als Unternehmensnachfolger im Handwerk

Oftmals kennen langjährige Mitarbeiter das Betriebsgeschehen sehr gut, sind bei Kunden und Geschäftspartnern bekannt und darüber hinaus mit Besonderheiten im Betriebsablauf vertraut. Zudem kennen Sie als Betriebseigner  bereits die Arbeitsweise und Kompetenzen Ihrer Mitarbeiter. Kommt für die Unternehmensnachfolge in Ihrem Handwerksbetrieb also ein Angestellter in Betracht, sollten Sie hier frühzeitig das Gespräch suchen und gemeinsam an der Übergabe arbeiten.

Betriebsfremde Nachfolger für die Unternehmensnachfolge

Kommen Familienmitglieder oder Mitarbeiter nicht für eine Betriebsnachfolge in Frage, bleibt nur die Suche nach einem geeigneten externen Nachfolger. Damit Sie hier keine wertvolle Zeit verlieren, sollten Sie sich frühzeitig darum kümmern.

  • Machen Sie Ihre Absichten möglichst breit in der Fachpresse für Ihr Gewerk bekannt.
  • Recherchieren Sie in Nachfolgebörsen.
  • Nehmen Sie Kontakt mit Partnerbetrieben auf.
  • Schauen Sie bei der Verpflichtung neuer Mitarbeiter und Azubis genau hin: Vielleicht schlummern hier schon Talente, die zum Zeitpunkt Ihrer Pensionierung als geeignete Betriebsnachfolger in Frage kommen könnten.

Initiativen, die Sie bei der Betriebsnachfolge im Handwerk unterstützen

Um klein- und mittelständische Handwerksbetriebe in Deutschland bei der Suche nach geeigneten Unternehmensnachfolgern zu unterstützen, haben die deutsche Bundesregierung, die Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie die Handwerkskammern (HWK) der Länder Nachfolgebörsen wie z. B. die nexxtChange ins Leben gerufen: Hier können Handwerksbetriebe, die auf der Suche nach einer Betriebsnachfolge sind, nicht nur ihr Unternehmen vorstellen, sondern treffen auch auf Fachkräfte und Handwerksmeister, die gern einen bestehenden Betrieb als Nachfolger übernehmen wollen.

Das Projekt „Nachfolge in Deutschland“ unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bietet außerdem mit seiner umfangreichen Informationsplattform und Tools wie dem Nachfolgefahrplan oder dem Nachfolg-o-Mat übersichtliche Möglichkeiten, Wissens- und Planungslücken zur Unternehmensnachfolge zu schließen oder kostenfrei eine Betriebsbewertung vorzunehmen. Daneben finden hier auch interessierte Jungunternehmer, die auf der Suche nach einem Nachfolgebetrieb sind, umfangreiche Informationen.

7 häufige Fehler – das kann bei der Betriebsnachfolge schiefgehen

Selbst bei einer umsichtigen Vorbereitung der Betriebsnachfolge im Handwerk tauchen immer mal wieder Fallstricke auf, die das Vorhaben erschweren oder Ihre bisherige Planung durchkreuzen. Hier stets flexibel zu bleiben und mehrere Lösungsoptionen in petto zu haben, kann daher nie schaden. Wir helfen Ihnen, die 7 häufigsten Fehler bei der Unternehmensnachfolge zu vermeiden:

  1. Der Betrieb ist nicht nachfolgefähig

Häufig sind ein fehlendes Alleinstellungsmerkmal, ein zu kleiner Kundenstamm oder und auch strukturelle Gründe die Ursachen für eine Nachfolgeunfähigkeit des Unternehmens. Hier ist eine Stilllegung des Betriebs unter Umständen die bessere Option.

2. Der Planungszeitraum für die Betriebsnachfolge ist zu kurz

Im Idealfall sollten Sie für die Nachfolgeplanung 5 – 10 Jahre kalkulieren und entsprechende Schritte frühzeitig einleiten. Planen Sie nicht rechtzeitig, fehlt Ihnen unter Umständen ein geeigneter Nachfolger, so dass Sie Ihren Betrieb wider Willen stilllegen müssen.

3. Der potenzielle Betriebsnachfolger ist nicht geeignet

Verfügt der potenzielle Nachfolger nicht über die geeigneten fachlichen und persönlichen Kompetenzen, kann das den Betrieb nach Ihrem Austritt in eine wirtschaftliche Schieflage bringen. Deshalb ist besonders bei der Nachfolgebesetzung mit einem Familienmitglied darauf zu achten, dass diese Eignungen und eine ausreichende Motivation für die Betriebsübernahme auch wirklich vorhanden sind.

4. Sie sind nicht zur vollständigen Betriebsübergabe bereit

Sind Sie persönlich noch nicht bereit, die Verantwortung für Ihren Betrieb vertrauensvoll abzugeben, kann das zu ernsthaften Konflikten mit dem Betriebsnachfolger führen – unabhängig davon, ob dieser aus der Familie kommt oder nicht. Im schlimmsten Fall können diese so tiefgreifend sein, dass Ihr Handwerksbetrieb darunter leidet.

5. Der Nachfolgeplan ist zu starr

Ihr Nachfolgeplan sollte so aufgestellt sein, dass er jederzeit dynamisch angepasst werden kann – auch auf den Übernehmer. Haben Sie z. B. die ideale Person für die Betriebsnachfolge ausgemacht und diese kann den Betrieb aber erst einige Monate später übernehmen als gewünscht, sollten Ihr Plan und ggf. auch Ihre finanziellen Verpflichtungen daran angepasst werden können.

6. Der Unternehmenswert wird überschätzt

Um hier sicher zu gehen, sollten Sie am besten Wertschätzungen von zwei unterschiedlichen Sachverständigen zum Unternehmenswert einholen – sowohl aus Übergeber- als auch aus Übernehmersicht.

7. Ein beiderseitiger Übergabe-Plan fehlt

Damit Sie Ihre Betriebsnachfolge auf sichere Füße stellen können, sollten Sie alle wichtigen Eckpunkte zur Betriebsübergabe in Absprache mit dem Nachfolger vertraglich festsetzen. So sichern Sie sich rechtlich umfassend ab und ersparen sich auch nach der Betriebsübergabe Sorgen und Konflikte.

FAQ zur Betriebsnachfolge im Handwerk

Wann sollte die Suche nach einem Unternehmensnachfolger begonnen werden?

Im Idealfall sollten Sie 5 bis 10 Jahre vor einer Betriebsabgabe oder dem Schritt in den Ruhestand damit beginnen, die Nachfolge zu planen. Unternehmern im Handwerk wird dazu ab dem 55. Lebensjahr empfohlen, die ersten Schritte zur Betriebsnachfolge anzugehen.

Wer eignet sich als Nachfolger für einen Handwerksbetrieb?

Ein potenzieller Nachfolger für ein Handwerksunternehmen sollte in jedem Fall alle notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen mitbringen.  Neben solider Erfahrung im jeweiligen Gewerk muss der Nachfolger darüber hinaus auch kaufmännisches Wissen und Führungskompetenz mitbringen.
Als Nachfolger für den Handwerksbetrieb kommen – je nach Eignung – Familienmitglieder, langjährige Mitarbeiter oder Betriebsangehörige sowie betriebsfremde Personen in Betracht.

Wo findet man potenzielle Nachfolger für ein Handwerksunternehmen?

Die deutsche Bundesregierung, die Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie die Handwerkskammern (HWK) der Länder haben Nachfolgebörsen wie z. B. die nexxtChange ins Leben gerufen. Hier können Handwerksbetriebe, die auf der Suche nach einer Betriebsnachfolge sind, nicht nur ihr Unternehmen vorstellen, sondern treffen auch auf Fachkräfte und Handwerksmeister, die gern einen bestehenden Betrieb als Nachfolger übernehmen wollen.

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 – Kzenon