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Vielleicht kennen Sie die Situation: Sie müssen eine Fliese durchbohren und haben es fast geschafft, doch plötzlich zieht sich mit einem knackenden Geräusch ein Riss durch die gesamte Fliese. Damit Ihnen das nicht passiert, erfahren Sie hier, wie Sie am besten Löcher in Keramik und Feinsteinzeug bohren können. Mit der richtigen Technik und Ausrüstung müssen Sie sich keine Sorgen über Schäden am Fliesenspiegel machen – unsere Anleitung zeigt das richtige Vorgehen. Lesen Sie außerdem, wie Sie kleine Patzer reparieren und in welchen Fällen es sinnvolle Alternativen zum Bohren gibt.

Was Sie wissen sollten, bevor Sie in Fliesen bohren

Bei Reparaturen oder Renovierungsarbeiten müssen Sie vermutlich früher oder später einmal in die Fliesen bohren. Viele Heimwerker schrecken davor zurück aus Angst, die empfindlichen Fliesen zu beschädigen, denn das passiert relativ schnell. Der Grund dafür ist nicht nur eine falsche Technik, sondern oft auch die Verwendung von ungeeigneten Bohrern. Bevor Sie mit dem eigentlichen Bohren beginnen, sollten Sie das Ganze gut vorbereiten.

Die Wahl des richtigen Bohrers

Welchen Aufsatz Sie für Ihre Bohrmaschine verwenden sollten, hängt hauptsächlich von der Ritzhärte Ihrer Fliesen ab. Die Ritzhärte wird mit einem Wert von 1 (weich) bis 10 (sehr hart) angegeben und drückt aus, wie leicht die Oberfläche mit einem spitzen, metallischen Gegenstand eingeritzt werden kann. Je höher der Härtegrad, umso robuster muss der Bohrer sein. Bei Fliesen kommen oft Diamantbohrer oder -bohrkronen zum Einsatz. Da Diamant selbst den höchsten Härtegrad von 10 hat, können Sie mit einem solchen Bohrer auch in Feinsteinzeug bohren, das üblicherweise einen Härtegrad von 8 erreicht.

Bohrer unterschieden sich nicht nur im Härtegrad, sondern auch in ihrer Form.

  • Fliesenbohrer: Diese Bohrer finden Sie im Fliesenzubehör. Sie sind durchgängig gehärtet und haben eine zylindrische Bohrspitze, die entweder flach abschließt oder als Bohrkrone konstruiert ist. Ist sie aus Hartmetall gefertigt, können Sie damit in Steinzeugfliesen bohren, deren Härtegrad maximal bei 4 liegt. Für alle härteren Fliesen verwenden Sie Diamantbohrer.
  • Glasbohrer: Für Fliesen bis zum Härtegrad 3 sind Glasbohrer bestens geeignet. Die Bohrer laufen spitz zu und ihre Spitze ist zusätzlich gehärtet und geschärft. Damit fällt es leichter, den Bohrer in der richtigen Position zu halten, wenn Sie die Fliesen anbohren.
  • Steinbohrer: Fliesen mit geringen Härtegraden können Sie rein theoretisch mit einem herkömmlichen, spiralförmigen Steinbohrer bearbeiten. Das hat den Vorteil, dass Sie den Bohrer nicht wechseln müssen, wenn Sie die Fliese durchbohren und tiefer in die Wand vordringen wollen. Allerdings ist besondere Vorsicht nötig, damit weder die Fliesen noch der Bohrer beschädigt werden, weshalb diese Methode eher für Profis geeignet ist.

Zusätzlich zur Art und Qualität des Werkzeugs spielen Bohrdruck und Drehzahl eine entscheidende Rolle dabei, Fliesen beim Bohren nicht zu beschädigen. Versuchen Sie, möglichst wenig Druck auszuüben und eine geringe Drehzahl einzustellen, damit keine zu große Reibungswärme entsteht. Auch die Kühlung des Bohrers ist wichtig, damit er nicht zu schnell verschleißt. Im Handel gibt es selbstkühlende Fliesenbohrer (mit Kühlwachs oder Wassertanks), doch es geht auch ohne: In dem Fall arbeiten Sie am besten in kleinen Schritten und kühlen den Bohrer zwischendurch selbst mit Wasser.

Der sichere Weg ist immer, zunächst mit dem Glas- oder Diamantbohrer durch die Fliesen zu bohren und für tiefere Löcher im Mauerwerk anschließend zum Steinbohrer zu wechseln.

Notwendiges Werkzeug und Zubehör

Neben einem geeigneten Bohrer brauchen Sie noch weitere Hilfsmittel, um Löcher in Keramik zu bohren:

  • Strom- und Metalldetektor, um sicherzustellen, dass Sie keine Leitung anbohren
  • Stift zum Markieren der Bohrstelle
  • Körner oder Nagel zum Anreißen des Bohrlochs
  • Kreppband oder transparentes Klebeband
  • Schale oder Sprühflasche mit kaltem Wasser zur manuellen Kühlung des Bohrers

Fliesen bohren: Anleitung in 6 Schritten

  1. Bohrloch anzeichnen und anreißen

    Prüfen Sie zunächst mit einem Detektor, ob in der Nähe der Bohrstelle Strom- oder Wasserleitungen verlaufen, die Sie versehentlich anbohren könnten. Markieren Sie dann mit einem gut sichtbaren Stift das Bohrloch und körnen Sie die Stelle anschließend leicht an. Verzichten Sie dabei möglichst auf einen Hammer. Schon ein etwas zu starker Schlag kann dazu führen, dass die Oberfläche der Fliese einreißt oder absplittert. Falls Sie eine Bohrkrone verwenden, ist das Anreißen nicht nötig.

  2. Bohrstelle großzügig abkleben

    Kleben Sie zwei Streifen des etwa vier Zentimeter breiten Krepp- oder Klebebands über Kreuz auf die angekörnte Bohrstelle. Das Klebeband bietet dem Bohrer Halt und verhindert gleichzeitig, dass beim Bohren Teile der Fliese am Rand des Bohrlochs absplittern.

  3. Schlagfunktion der Bohrmaschine abschalten

    Wenn Sie eine Schlagbohrmaschine verwenden, sollten Sie die Schlagfunktion unbedingt abschalten, solange Sie in die Fliesen bohren. Schlagkräfte erhöhen die Gefahr, dass die Fliesen beim Bohren springen.

  4. Fliesen anbohren

    Setzen Sie den Bohrer an der markierten Stelle an und bohren Sie mit geringem Druck und niedriger Drehzahl langsam in die Fliese. Falls Sie keinen gekühlten Bohrer verwenden, prüfen Sie regelmäßig, ob sich der Bohrer verfärbt. Das ist ein Zeichen von zu großer Hitze. In diesem Fall legen Sie eine kurze Pause ein und verwenden das vorbereitete Wasser zur Kühlung.

  5. Fliesen durchbohren

    Fahren Sie mit dem Bohren und Kühlen fort, um vollständig durch die Fliese zu bohren. Sobald sich der Widerstand und das Bohrgeräusch verändert, haben Sie es geschafft. Jetzt ist es an der Zeit, zum Steinbohrer zu wechseln, wenn Sie ein tieferes Bohrloch benötigen. Auch die Schlagfunktion können Sie zu diesem Zweck wieder einschalten.

  6. Bohrloch reinigen

    Zum Schluss ziehen Sie das Klebeband ab und reinigen das Bohrloch von Staub und Bohrspänen.

Bohrfehler ausbessern

Selbst wenn Sie die perfekte Ausrüstung haben und äußerst vorsichtig arbeiten, kann das Bohren in Fliesen auch für Profis eine heikle Angelegenheit sein. Zwei häufige Fehler und wie Sie diese beheben könne, stellen wir Ihnen vor:

  1. Oft platzen kleine Splitter der glasierten Oberfläche am Bohrloch ab, weil der Druck beim Anbohren zu groß ist. Solche kleinen Makel lassen sich aber durchaus reparieren. Verteilen Sie hierfür eine für Fliesen geeignete Spachtelmasse in der Vertiefung und ziehen Sie diese anschließend mit einem Spachtel ab, damit eine ebene, glatte Oberfläche entsteht. Sobald die Masse ausgehärtet ist, bearbeiten Sie die Oberfläche mit feinem Schleifpapier. Anschließend können Sie farbigen Sprühlack verwenden, damit die Reparatur nicht auffällt.
  2. Anders sieht es aus, wenn sich ein Riss durch die gesamte Fliese zieht. Zwar können Sie auch hier mit Spachtelmasse arbeiten, allerdings wird der Riss weiterhin sichtbar sein. Bei einem durchgängigen Riss haben Sie zwei Möglichkeiten:
    • Sie tauschen die Fliese aus und verlegen Sie neu. Mit dem passenden Fliesenlegerwerkzeug und Know-how ist das leicht zu bewerkstelligen. Notwendig ist der Austausch einer gebrochenen Fliese nur in Feuchträumen, denn dort verhindert ein intakter Fliesenspiegel, dass Feuchtigkeit in die Wände dringt.
    • Wenn Sie die Fliese nicht austauschen wollen, bleibt Ihnen nur, sich mit dem Makel zu arrangieren. In diesem Fall können Sie entweder mit Spachtelmasse arbeiten und der Riss bleibt sichtbar. Oder Sie verwenden einen einfachen Fliesenaufkleber, mit dem Sie den Riss kaschieren.

Alternativen zum Fliesen bohren

Je nachdem, welche Arbeiten Sie durchführen, können Sie eventuell vermeiden, ein Loch in die Fliese zu bohren. Für die Befestigung von Handtuchhaltern, Kleiderhaken oder Ablagebrettern können Sie sich mit doppelseitigem Klebeband oder Montagekleber behelfen. Bedenken Sie dabei, dass im Badezimmer oft hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, und nutzen Sie deshalb ausschließlich wasserfeste Kleber.

Bei Hängeregalen oder Spiegelschränken kommen die Kleber an ihre Grenzen. Hier sorgen nur Schrauben und Dübel für eine sichere und belastbare Befestigung. Da der Durchmesser der Dübel nicht allzu groß ist, bietet es sich an, dafür in die Fliesenfugen zu bohren. Die Bohrlöcher können Sie nach dem Entfernen der Dübel leicht wieder mit Spachtelmasse verschließen, dann sind sie so gut wie unsichtbar. Das ist besonders in Mietwohnungen ein großer Vorteil, in denen Vermieter das Bohren in Fliesen nicht erlauben.

FAQ zum richtigen Fliesenbohren

Mit welchem Bohrer kann ich in Fliesen bohren?

Welchen Aufsatz Sie für Ihre Bohrmaschine verwenden sollten, hängt hauptsächlich von der Ritzhärte Ihrer Fliesen ab. Je höher der Härtegrad, umso robuster muss der Bohrer sein. Bei Fliesen kommen oft Diamantbohrer oder -bohrkronen zum Einsatz. Wählen Sie zwischen folgenden Bohrern:
• Fliesenbohrer sind durchgängig gehärtet und haben eine zylindrische Bohrspitze aus Hartmetall (für Steinzeugfliesen) oder Diamant (für alle härteren Fliesen).
• Glasbohrer laufen spitz zu und ihre Spitze ist zusätzlich angeschärft. Damit fällt es leichter, den Bohrer in der richtigen Position zu halten, wenn Sie die Fliesen anbohren.
• Steinbohrer haben den Vorteil, dass Sie den Bohrer nicht wechseln müssen, wenn Sie die Fliese durchbohren und tiefer in die Wand vordringen wollen. Allerdings ist besondere Vorsicht nötig, damit dabei weder die Fliesen noch der Bohrer beschädigt werden.

Welches Zubehör brauchen Sie, um in Fliesen zu bohren?

• Bohrer, der für Härtegrad und Material der Fliesen geeignet ist
• Strom- und Metalldetektor, um sicherzustellen, dass Sie keine Leitung anbohren
• Stift zum Markieren der Bohrstelle
• Körner oder Nagel zum Anreißen des Bohrlochs
• Kreppband oder transparentes Klebeband, um dem Bohrer Halt zu bieten
• Schale oder Sprühflasche mit kaltem Wasser zur manuellen Kühlung des Bohrers

Welche Dübel kann ich für Fliesen verwenden?

Die Wahl der geeigneten Dübel richtet sich nicht nach den Fliesen, sondern nach dem Baustoff der Wand hinter den Fliesen. Beim Bohren erkennen Sie an der Farbe des Bohrstaubs, ob es sich um Ziegel, Beton, Sandstein oder einen anderen Baustoff handelt. Dementsprechend sollten Sie geeignete Dübel verwenden. Befindet sich hinter der Wand ein Hohlraum, sorgen spezielle Hohlraumdübel für eine sichere Verankerung.

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