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Die Maße von Staplern und Hubwagen spielen eine wichtige Rolle in Bezug darauf, in welcher Lagerumgebung sich die Flurförderzeuge optimal einsetzen lassen. Es ist deshalb empfehlenswert, vor der Auswahl eines Gabelstaplers oder Hubwagens ein Anforderungsprofil zu erstellen: Neben der Fahrzeughöhe sind sowohl Breite und Länge als auch das Eigengewicht von Bedeutung. Die Fahrzeugabmessungen eines Staplers oder Hubwagens entscheiden über Standsicherheit oder eine sichere Kurvenfahrt. Außerdem bestimmen die Maße Ihres Flurförderfahrzeugs darüber, welche Lagerbereiche Sie damit durchfahren und wie schnell und sicher Sie Waren einlagern oder umschlagen können.

Maße von Staplern und Hubwagen – die Fahrzeughöhe

Die Fahrzeughöhe ist eines der wichtigsten Maße eines Staplers bzw. Hubwagens. Sollte das Flurförderzeug mit einem Hubgerüst samt Hubmast ausgestattet sein, ist dies der höchste Baupunkt am Fahrzeug. Türen, Tore oder Container auf dem Betriebsgelände müssen mit dieser Ausstattung gefahrenfrei durchfahren werden können. Die Abmessungen der Hubmasten unterscheiden sich dabei je nach Hubhöhe.

Die Fahrzeughöhe eines Staplers oder Hubwagens wird entweder durch das Fahrerschutzdach (h6) oder durch die Höhe des eingefahrenen Hubmastes (h1) bestimmt. Sie entscheidet darüber, welche Lagerbereiche durchfahren werden können, ohne dass Schäden an Fahrzeug, Last oder Gebäude entstehen.

Folgende Punkte sollten Sie dabei beachten:

  • Durchfahrtshöhen von Türen
  • Durchfahrtshöhen von Hallentoren
  • Unterfahrhöhen von Kommissionierböden
  • Stichgänge in Regalanlagen
  • Herabhängende Deckenbestandteile
  • Lastenfahrstühle

Wir empfehlen Ihnen, alle Bereiche des Lagers oder Betriebs zu prüfen, die das vorgesehene Fahrzeug durchfahren soll. Bedenken Sie auch unbedingt die Fahrzeughöhe, wenn Sie mit Ihrem Stapler oder Hubwagen LKW (Standard-Innenhöhe 2600 mm), Eisenbahnwaggons (2000 mm) oder Container (Türhöhe 2280mm–2585mm) bedienen möchten.

Im Arbeitsalltag ist es wichtig zu wissen, bis zu welcher maximalen Höhe Ihre Güter zu verräumen sind. Aus diesem Grund ist die Hubhöhe (h3) wichtig: Nicht immer befinden sich die Palettenfüße auf derselben Höhe wie die Gabelzinkenauflage, sondern hängen beim Verladen darunter. Hier ist eine größere Hubhöhe erforderlich. Die Höhe des Hubmastes (h4), die sogenannte ausgefahrene Bauhöhe, ist hingegen für Sie wichtig, wenn Arbeiten in großer Höhe durchgeführt werden, beispielsweise direkt unter dem Hallendach.

Ebenfalls ist es wichtig, dass der Stapler oder Hubwagen einen sogenannten Freihub (h2) hat. Dieser liegt zwischen 0 und 150 mm. So können Paletten in einem leicht angehobenen Zustand horizontal befördert werden. Auch verhindert der Freihub, dass die Gabelzinken während der Fahrt auf dem Untergrund schleifen. Eine Sonderform ist ein großer Freihub ab 1.000 mm. Dieser ist bei Stapelarbeiten in Containern notwendig oder wenn Sie beladen niedrige Tore durchfahren müssen.

Bodenfreiheit von Flurförderzeugen

Die Maße von Stapler oder Hubwagen sollten genügend Bodenfreiheit (besonders m2, Mitte Radstand) im Arbeitsalltag gewährleisten. Die Bodenfreiheit wird im Wesentlichen von der Reifengröße des Fahrzeuges bestimmt. Ist die Abmessung zu gering, kann es bereits bei leichten Unebenheiten des Bodens zu einem Aufsetzen kommen. Radunterstützte Stapler haben beispielsweise eine relativ geringe Bodenfreiheit.

Achten Sie darauf, dass kritische „Steigungsknicks“ in IhremArbeitsumfeld keinenungünstigen Winkel aufweisen und Steigungen zwischen 8 und 12,5 % liegen: So werden diese nicht zu einem Kollisionshindernis des Überladeblechs. In Bezug auf den Neigungswinkel und die Bodenfreiheit Ihres Flurförderfahrzeugs sollten Sie stets den Bereich des Übergangsknicks zwischen Steigung und Ebene genau berechnen. Einige Stapler oder Hubwagen verfügen über einen sogenannten „Rampenhub„, um eine steile Kante ausgleichen zu können.

Höhenunterschied (h)                   = Steigung (s)
Basis der geneigten Fläche (l)

Die Fahrzeugbreite bei Staplern und Hubwagen

Besonders beim Be- und Entladen von LKWs, Waggons oder Containern gilt: Je geringer die Gerätebreite (b1) des Flurförderfahrzeugs, desto schneller können Sie wenden und rangieren. Bei beengten Verhältnissen gewinnen Sie mit „schlanken“ Fahrzeugabmessungen des Staplers oder Hubwagens wertvolle Sekunden, insbesondere an den Seitenwänden. Bei schmalen Geräten entspricht die Gabelträgerbreite (b3) meist der Gesamtbreite. Dennoch können Sie mit diesen kleinen Flurförderfahrzeugen noch eine Euro-Palette bewegen.

Ein breites Fahrzeug benötigt beim Überholen im Gang mehr Platz. Allerdings bietet eine breitere Spurweite (b10 vorn, b11 hinten) grundsätzlich eine bessere Standsicherheit und stabilere Kurvenfahrten. Große und sperrige Güter lassen sich mit einem breiten Stapler oder Hubwagen komfortabel befördern und verräumen. Da auch die Gabelträger weiter auseinander liegen, lassen sich schwere Gewichte auf diese Art schnell und präzise bewegen. Liegt das Gewicht der zu bedienenden Waren jedoch über den gängigen 2 bis 2,5 Tonnen, empfehlen wir Ihnen Schwerlasthubwagen oder Schwerlaststapler. Bei diesen Stapler- oder Hubwagen-Modellen sind die Maße großzügiger gestaltet und die konstruktiven Elemente wie der Hubrahmen, die Deichsel und die Räder verstärkt.

Bei den Gabel- Maßen von Staplern und Hubwagen wird standardmäßig erst ab 685 cm von einer Sondergabelbreite gesprochen. Bis zu einer Breite von 60 cmentsprechen sie dem Durchschnitt, da mit diesen Maßen immer noch eine Euro-Palette unterfahren werden kann.

Wendigkeit und Fahrzeuglänge – wichtige Maße von Flurförderzeugen

Damit Sie im Alltag mit dem Stapler oder Hubwagen jederzeit schnell und präzise agieren können, sollten Sie bei den Fahrzeugabmessungen auf die Fahrzeuglänge (L2) achten. Diese wird hauptsächlich durch dessen Gabellänge festgelegt. Die Gabellänge beträgt nach ISO-Norm FEM3a und FEM3b zwischen 1150 und 2400 mm. Besonders, wenn Sie Ihren Stapler oder Hubwagen im LKW mitführen oder Lastenfahrstühlen benutzen, sind kurze Gerätemaße wichtig: Schnell und präzise müssen Sie auf engstem Raum agieren und wenden können.

Die sogenannte Vorderbaulänge eines Flurförderfahrzeugs bestimmt neben der Fahrzeugbreite (b1) und dem Wenderadius (Wa) den Arbeitsgangbreitenbedarf. Die Arbeitsgangbreite ist der Abstand zwischen gegenüberliegenden Lagereinheiten und wird unter anderem durch die Art und den Typ des Flurförderfahrzeugs bestimmt – je nachdem wieviel Platz beim Wenden und Rangieren sowie Einlagern mit dem Stapler oder Hubwagen benötigt wird. Die Wendigkeit Ihres Fahrzeuges wird auch vom Radstand (y) mitbestimmt. Zwar verkürzt ein kleiner Radstand den Wenderadius, doch er verschlechtert auch das Fahrverhalten. So kann eine Instabilität bei Kurvenfahrten mit Beladung entstehen.

Des Weiteren sollten Sie überdenken, ob beispielsweise ein Dreiradstapler oder ein Vierradstapler besser für Ihren Bedarf geeignet ist. Wendiger verhalten sich Dreiradstapler, da sie sich leicht und schnell mittels eines direkt lenkbaren Hinterrads steuern lassen. Der benötigte Wendekreis, entspricht damit fast der Fahrzeuglänge und ist sehr gering. Stapler mit 4 Rädern brauchen hingegen mehr Raum, um zu wenden oder rangieren.

Das Eigengewicht von Staplern und Hubwagen

Bei Staplern und Hubwagen stellt das Eigengewicht das Leergewicht eines Staplers oder Hubwagens dar – ohne Nutzlast und ohne Fahrer.

Auswirkungen des Eigengewichts auf die Deckentragfähigkeit

Sobald in Ihren Betriebsräumen Hubwagen oder Gabelstapler eingesetzt werden sollen, setzt dies voraus, dass Sie im Vorfeld die Deckentragfähigkeit des Untergrundes geprüft haben. Besonders bei mehrstöckigen Gebäuden ist die gesamte Statik zu berücksichtigen, gerade wenn der Stapler in oberen Etagen betrieben werden soll. Sind mehrere Stapler in Betrieb, erhöht sich die Belastung des Bodens beim Begegnungsverkehr. In jedem Fall darf die maximal zulässige Deckentragfähigkeit (kg/m²) nicht überschritten werden. Auch müssen beispielsweise Rampen, mobile Überfahrbrücken oder Kanalabdeckungen berücksichtigt werden, da diese die Belastbarkeit herabsetzen.

  • Beispielrechnung: Die Angabe „2000 kg/m²“ bedeutet, dass eine Fläche von 1 m² maximal mit einer Last von 2000 kg belastet werden darf.

Sobald Stapler oder Hubwagen mit einem Gut beladen sind, spricht man vom Gesamtgewicht Eigengewicht plus Lastgewicht. Nicht nur das Gewicht von Hubwagen oder Staplern belastet einen Untergrund, sondern auch Schwingungen, beispielsweise beim Absenken der Last oder beim Bremsen. Für diese dynamischen Kräfte empfiehlt die VDI-Richtlinie 2199 einen Stoßfaktor von 1,4 bei Gegengewichtsstaplern.

Die Fläche errechnet sich aus den Fahrzeugmaßen des Staplers oder Hubwagens: (Länge des Flurförderfahrzeugs + Lastlänge) x größte Breite


Flächenbelastung (kg/m²) = (Eigengewicht kg + Last kg) x Stoßfaktor 1,4
                                                                              Länge m x Breite m

Punktbelastung des Bodens

Beim generellen Einsatz von Staplern oder Hubwagen empfehlen wir Ihnen, auf die Beschaffenheit des Bodens zu achten. Denn speziell beim Bodenbelag ist die punktförmige Bodenbelastung, der sogenannte spezifische Raddruck, von Bedeutung. Der spezifische Raddruck wirkt über die Reifenaufstandsflächen auf den Untergrund und muss ohne Verformungen aufgenommen werden können. Dieser Parameter wird in kg/cm² angegeben. Die Reifenaufstandsflächen sind abhängig vom:

  • Material der Bereifung
  • dem Eigengewicht des Fahrzeugs
  • dem Gewicht der transportierten Last
  • dem dynamischen Einfluss beim Anfahren
  • dem Durchfahren von Kurven sowie dem Abbremsen

Darauf ergeben sich eine Reihe von Untergründen, die kritisch in Bezug auf die Punktbelastung bei Arbeiten mit Flurförderfahrzeugen zu betrachten sind:

  • Holz
  • Asphalt
  • PVC und Vinyl
  • Kacheln, Klinker, Keramik

Hier ist eine gründliche Eignungsprüfung für das Befahren mit Flurförderzeugen unerlässlich.

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