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Die Schonung natürlicher Ressourcen wird immer bedeutender, auch in der Baubranche spielt Kreislaufwirtschaft heute eine wichtige Rolle. Hier ist Beton der am häufigsten eingesetzte Baustoff. Die gute Nachricht: Wie andere Materialien auch kann Beton aufbereitet und wiederverwertet werden. Er verfügt auch dann über hervorragende Eigenschaften. Doch obwohl die Verwendung von Recyclingbeton (RC-Beton) ressourcenschonend ist und sich der Baustoff genauso verarbeiten lässt wie herkömmliche Fertigbetone, wird Recyclingbeton in Deutschland derzeit noch nicht flächendeckend für Bauprojekte eingesetzt. Erfahren Sie mehr über die Herstellung, die Eigenschaften und das Potenzial von wiederverwertbarem Beton!

Eigenschaften von Recyclingbeton

RC-Beton wird den gleichen Anforderungen gerecht wie herkömmlicher Beton. Festigkeit, Viskosität und Qualität entsprechen Betonen mit natürlicher Gesteinskörnung, weswegen sich der Recyclingbeton ebenso gut verarbeiten lässt. Recyclingbeton ist lieferbar bis zur Festigkeitsklasse C30/37, darunterliegende Festigkeitsklassen sind für schwache Frostangriffe zugelassen.

Die wichtigsten Fakten zu RC-Beton im Überblick:

  1. Durch die Verwendung von RC-Beton lässt sich der Verbrauch natürlicher Ressourcen um bis zu 30 % verringern.
  2. Das Standardleistungsbuch für die Ausschreibung von Bauvorhaben bietet Einträge, um den Einsatz von Recyclingbeton zu ermöglichen.
  3. Alle Bauvorhaben bis zu einer Festigkeit von bis zu C30/37 dürfen mit Recyclingbeton umgesetzt werden.
  4. In Deutschland dürfen Betonhersteller bis zu 45 % der Gesteinskörnung durch wiederverwertetes Material ersetzen, das den DIN-Normen DIN EN 12620, DIN 4226-101 und DIN 4226-102 entspricht. Die Möglichkeit einer Erhöhung des zugelassenen Anteils wird derzeit geforscht.
  5. Das Material muss den DIN-Normen DIN EN 12620, DIN 4226-101 und DIN 4226-102 genügen.

Der Hersteller muss in der Lage sein, die Gesteinskörnung nach den o. g. DIN-Normen zu produzieren und dies durch ein entsprechendes Zertifikat nachweisen.

Der Einsatz von RC-Beton ist grundsätzlich sinnvoll und leistet einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz – sofern die Transportwege der wiederaufbereiteten Gesteinskörnung vom Ort der Aufbereitung zum Betonwerk nicht zu weit sind.

Wo wird Recyclingbeton eingesetzt?

In der Bundesrepublik wird RC-Beton derzeit vor allem im Straßenbau verarbeitet, seltener im Hoch- oder Tiefbau. Berlin und Baden-Württemberg sind dabei Vorreiter: Hier sollen öffentliche Bauvorhaben vermehrt mit dem wiederverwerteten Material umgesetzt werden, um einen umweltschonenden Standard zu etablieren. Wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte finden sich in der Bundeshauptstadt beispielsweise am Forschungsstandort der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte und beim Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Berlin-Neukölln. Die Rahmenbedingungen für den möglichst flächendeckenden Einsatz von Recyclingbeton werden im Berliner Abfallwirtschaftskonzept 2020 bis 2030 und in den neuen Leistungsblättern der Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt festgehalten. Die Einsatzgebiete sind in Deutschland stark reglementiert, vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Staaten wie der Schweiz. So ist Recyclingbeton für den Bau vieler Verkehrsbauwerke sowie als Spannbeton hierzulande nicht zugelassen, obwohl er fast dieselben Eigenschaften wie herkömmliche Betone besitzt.

Warum Recyclingbeton in Deutschland noch nicht flächendeckend eingesetzt wird

Baustoffe wiederzuverwenden trägt zwar dazu bei, dass auf weniger natürliche Ressourcen zurückgegriffen werden kann, trotzdem ist RC-Beton in Deutschland derzeit nicht sehr populär. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, u. a.:

  • Die Ausschreibungen für Bauvorhaben müssten entsprechend verfasst sein – derzeit sind sie allerdings üblicherweise auf herkömmlichen Beton ausgerichtet.
  • Es fehlen entsprechende Richtlinien; oder diese sind unzureichend.
  • Es gibt derzeit noch zu wenige Produzenten von Recyclingbeton, sodass nicht immer eine standortnahe Produktion mit kurzen Transportwegen gegeben ist.
  • Fachwissen über RC-Beton ist noch nicht weit genug verbreitet.
  • Es bestehen Vorbehalte in der Baubranche.

Wie das Recycling von Beton funktioniert

Anstelle von natürlichem Kies wird bei der Herstellung von RC-Beton aufbereiteter Bauschutt als Zuschlagstoff hinzugefügt. Die Verwendung von Schotter aus Steinbrüchen sowie von Kies aus Kiesgruben wird dadurch um bis zu 30 % reduziert.

Allein in Berlin fallen jährlich etwa eine Million Tonnen Bauschutt an. Würde er – auch nur in Teilen – wiederverwertet, reduzierten sich u. a. die Kosten, die durch seine Entsorgung entstehen. Der Einsatz von Recyclingbeton kann außerdem einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten, denn: Zur Produktion von Frischbeton werden jeden Tag etwa vier Hektar Jurakalk in Deutschland abgetragen – aufs Jahr hochgerechnet entspricht die Fläche in ungefähr dem Gebiet einer Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern.

Voraussetzung für das Recycling von Beton ist eine sortenreine Sortierung der Materialien, es ist also wichtig, diese strikt getrennt voneinander zu verarbeiten. Neben klassischem Mauerwerk können auch Dachziegel wiederaufbereitet werden. Sind Metallstreben, Holz- oder Plastikstückchen im Bauschutt enthalten, werden sie im Produktionsprozess entfernt. Ein spezielles Sieb in der Schaufel eines Radladers trennt die Ziegel oder Steine von Putzresten, Holzteilen oder Folienstückchen, sodass der Bauschutt anschließend zerkleinert werden kann. Zunächst zertrümmert ein Hydromeißel das Material grob, bevor es im sogenannten „Brecher“ bis zu einer Körnungsgröße von 60 Millimetern fein zermahlen wird. Eine Siebanlage unterteilt die zerkleinerten Partikel in Körnungen unterschiedlicher Stärke. Angemischt mit Wasser, Zement und ggf. weiteren Zuschlagstoffen, entsteht aus der Gesteinskörnung ein gut zu verarbeitendes, umweltschonendes Material: Recyclingbeton. Mehr über den Einsatz innovativer Baumaterialien erfahren Sie in unserem Beitrag „Haus aus dem 3-D-Drucker“.

FAQ zum Thema Recyclingbeton

Warum ist die Verwendung von Recyclingbeton in Deutschland noch nicht flächendeckend verbreitet?

1. Vorurteile und mangelnde Kenntnis
• Recyclingbeton ist in Deutschland noch nicht sehr populär. Einige Akteure der Baubranche haben auch Vorbehalte gegen die Verwendung des Materials.
2. fehlende Aus- und Weiterbildung bzgl. Herstellung, Eigenschaften und Verwendung von Recyclingbeton
3. reglementierte Anwendungsgebiete
• Recyclingbeton darf in Deutschland nicht für alle Einsatzgebiete verwendet werden.
fehlende Ausschreibungen
• Bauvorhaben müssten produktneutral ausgeschrieben werden, um den Einsatz von Recyclingbeton zu ermöglichen. Das ist derzeit häufig nicht der Fall – obwohl es problemlos möglich wäre. Die meisten Ausschreibungen berücksichtigen nur Frischbeton.
4. fehlende Ausschreibungen
• Bauvorhaben müssten produktneutral ausgeschrieben werden, um den Einsatz von Recyclingbeton zu ermöglichen. Das ist derzeit häufig nicht der Fall – obwohl es problemlos möglich wäre. Die meisten Ausschreibungen berücksichtigen nur Frischbeton.
5. zu wenige regionale Recycler
• Damit RC-Beton in größerem Maßstab verwendet werden kann und dabei umweltschonend ist, muss er in vielen Regionen Deutschlands hergestellt werden, damit die Transportwege zur Baustelle möglichst kurz sind. Das ist derzeit noch nicht der Fall.

Welche Vorteile hat Recyclingbeton?

• geringere CO2-Emission als bei der Herstellung von Frischbeton
• Vermeidung von mineralischen Abfällen, die bei der Produktion von Primärbeton anfallen
• Schonung von Ressourcen, da weniger Rohstoffe abzubauen sind
• Erhalt der Landschaft sowie der Tier- und Pflanzenwelt
• Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten ähnlich wie bei herkömmlichem Beton

Welcher Anteil wiederaufbereiteter Gesteinskörnung in RC-Beton ist in Deutschland zulässig?

Betonhersteller dürfen in Deutschland bis zu 45 % der Gesteinskörnung durch recyceltes Material ersetzen. Das Material muss den DIN-Normen DIN EN 12620, DIN 4226-101 und DIN 4226-102 entsprechen.

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© gettyimages.de – simonkr