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Um in Betrieben eine professionelle Erstversorgung nach Arbeitsunfällen zu gewährleisten, ist das Vorhandensein eines Verbandkastens (umgangssprachlich auch „Rot-Kreuz-Kasten“, „Erste-Hilfe-Koffer“ oder „Verbandskasten“ genannt) gesetzlich vorgeschrieben. Die Ausstattung des jeweiligen Verbandkastens richtet sich dazu nach bestimmten Normen.

Ein Verbandkasten enthält unterschiedliche Verbandmittel und Erste-Hilfe-Produkte, die bei einem Arbeitsunfall im Betrieb zum Einsatz kommen können: Das sind neben verschiedenen Verbandmaterialien wie Pflastern, Mullbinden, Verbandtüchern oder sterilen Wundauflagen auch weitere medizinische Hilfsmittel wie Pinzetten, Einmalhandschuhe oder Beatmungsmasken.

Der Verbandkasten selbst ist meist aus stabilem Plastik oder Metall gefertigt und mit einem Standardsymbol – dem weißen Kreuz auf grünem Hintergrund – zur schnellen Erkennung gekennzeichnet. Das Symbol ist nach der EG-Richtlinie 92/58/EWG bzw. in der ISO-Norm 3864 definiert. Neben klassischen Verbandkästen gibt es auch fest installierte Verbandschränke, die mit demselben Symbol gekennzeichnet werden müssen.

Kfz, Betrieb und Arbeitsschutz – diese Normen gelten für Verbandkästen

Der Ausstattungsumfang des Verbandkastens und dessen Einsatzbereiche werden durch verschieden DIN-Normen für Verbandkästen geregelt. Je nach geltender DIN-Norm kann die Anzahl der vorgeschriebenen Verbandkästen und deren Ausstattung variieren. Im Wesentlichen gelten folgende Vorschriften:

  • DIN 13164: Nach § 35 h der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) ist das Mitführen eines Verbandkastens in privaten wie auch gewerblich genutzten Pkw und Lkw vorgeschrieben. Der Ausstattungsumfang ist nach der DIN 13164 geregelt. Bei Fahrzeugen, die zur Personenbeförderung dienen, wie etwa Busse des Personennahverkehrs, ist zusätzlich die Form des Verbandkastens verbindlich vorgeschrieben.
  • DIN 13167: Für die Mitnahme eines Verbandkastens in Krafträdern gibt es in Deutschland keine gesetzliche Verpflichtung. Die Ausstattung wird durch die DIN 13167 vorgeschrieben.
  • DIN 13157 und DIN 13169: Nach der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und der DGUV-Vorschrift 1 sind in Betrieben Verbandkästen vorgeschrieben. Die Befüllung des Verbandkastens muss dabei je nach Betriebsart und Personalstärke angepasst werden. Hierfür gelten die DIN 13157 und DIN 13169.
  • DIN 14142: Diese Norm schreibt die Pflichtinhalte eines Verbandkastens für Feuerwehren vor.

Welche Verbandkasten-Ausstattung und -Norm gilt für meinen Betrieb?

Inhalt eines Verbandkasten

Die DIN-Normen für Verbandkästen regeln die Minimalansprüche als Grundlage für das Erste-Hilfe-System in Betrieben. Sie stellen die erforderliche Basis-Ausstattung dar, die jedoch je nach Branche und Einsatzbereich um eine bedarfsorientierte Ausstattung wie etwa Augenspülstationen oder Defibrillatoren erweitert werden kann und sollte.

Der Verbandskasten gemäß DIN 13157 ist vorgeschrieben für:

  • Verwaltungs- und Handelsbetriebe mit 1 bis 50 Beschäftigten
  • Herstellungs- und Verarbeitungsbetriebe mit 1 bis 20 Beschäftigten
  • Baustellen mit 1 bis 10 Beschäftigten.
  • Für alle anderen Betriebe muss mindestens ein Verbandkasten vorhanden sein.

 Der Verbandskasten gemäß DIN 13169 ist vorgeschrieben für:

  • Verwaltungs- und Handelsbetriebe mit 51 bis 300 Beschäftigten (für je 300 weitere Beschäftigte ist ein zusätzlicher Verbandskasten vorgeschrieben)
  • Herstellungs- und Verarbeitungsbetriebe mit 21 bis 100 Beschäftigten (für je 100 weitere Beschäftigte ist ein zusätzlicher Verbandskasten vorgeschrieben)
  • Baustellen mit 11 bis 50 Beschäftigten (für je 50 weitere Beschäftigte ist ein zusätzlicher Verbandskasten vorgeschrieben).

Befüllungstabelle für Verbandkästen

InhaltAnzahl nach DIN 13517 für Betriebe mit weniger als 50 BeschäftigtenAnzahl nach DIN 13169 für Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten
Heftpflaster DIN 13019 – A 5 m x 2,5 cm       12
Wundschnellverband DIN 13019 – E 10 cm x 6 cm  816
Fingerkuppenverband  48
Fingerverband – 120 mm x 20 mm    48
Pflasterstrip – 19 mm x 72 mm          48
Pflasterstrip – 25 mm x 72 mm          816
Verbandpäckchen DIN 13151 – K       12
Verbandpäckchen DIN 13151 – M      36
Verbandpäckchen DIN 13151 – G       12
Verbandtuch DIN 13152 – A (60 × 80 cm)     12
Kompresse – 100 mm x 100 mm  612
Augenkompresse – einzeln steril verpackt, Mindestmaße 50 mm x 70 mm  24
Kälte-Sofortkompresse – Fläche min. 200 cm²  12
Rettungsdecke – 2,1 m x 1,6 m  12
Fixierbinde DIN 61634 – FB 6  24
Fixierbinde DIN 61634 – FB 8  24
Dreiecktuch DIN 13168 – D     24
Schere DIN 58279 – B 190      11
Folienbeutel – min. 300 mm x 400 mm  24
Vliesstoff-Tuch – min. 200 mm x 300 mm     510
Einmalhandschuh nach DIN EN 455   48
Erste-Hilfe-Broschüre – Anleitung zur Ersten Hilfe bei Unfällen     11
Inhaltsverzeichnis  11

Sonstige Normen für Verbandkästen

Neben der DIN-gerechten Befüllung des Verbandkastens nach Betriebsgröße und -art ist auch der Umgang mit den enthaltenen Erste-Hilfe-Produkten gesetzlich vorgeschrieben. Hier geht es vor allem darum, verbrauchte Materialien zu ersetzen bzw. unbrauchbar gewordene Inhalte durch neue Produkte auszutauschen. Bei Nichtbeachten kann ein Bußgeld erhoben werden.

Dazu ist die regelmäßige Kontrolle des Verbandkastens wichtig: Hierbei sollte nicht nur die Vollständigkeit anhand des enthaltenen Inhaltsverzeichnisses überprüft, sondern auch die Verwendbarkeit einzelner Mittel kontrolliert werden. Sterile Verbandmittel müssen Sie nach Ablauf des aufgedruckten Haltbarkeitsdatums entsprechend durch neue ersetzen. Auch Pflaster und Einmalhandschuhe sollten geprüft werden. Sie können bei langer Lagerzeit porös geworden sein oder nicht mehr ausreichend haften. Ein Laufzettel, auf dem das letzte Überprüfungsdatum vermerkt ist, kann Ihnen schnell einen Überblick zum Prüfumfang geben.

In einem Erste-Hilfe-Kurs kann außerdem die korrekte Anwendung der Verbandmaterialien geübt werden. Laut DGUV-Vorschrift 1 sind dazu in Betrieben ab einer bestimmten Personalgröße Ersthelfer zu bestimmen.

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