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Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) wird im Bundesrecht geregelt und hat das Ziel, Gewässer als Lebensgrundlage zu schützen und eine nachhaltige Gewässernutzung sicher zu stellen. In diesem Zusammenhang sind Handwerks- und Industriebetriebe verpflichtet, wassergefährdende Stoffe nach WHG §19 g bis l korrekt in eine der 3 Wassergefährdungsklassen einzustufen. Darüber hinaus müssen die Unternehmen ihre betrieblichen Anlagen technisch den Wassergefährdungsklassen entsprechend ausstatten, so dass alle verwendeten oder hergestellten Betriebsstoffe risikoorientiert und sicher zu handhaben sowie zu lagern sind. Dies gilt sowohl für die Errichtung, deren Betrieb und Unterhaltung sowie die Stilllegung von Anlagen.

Die Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes

Das WHG wird in verschiedene Bereiche unterteilt:

  • Bewirtschaftung von Gewässern (oberirdische Gewässer, Meeresgewässer)
  • Bewirtschaftung des Grundwassers
  • Abwasserbeseitigung
  • Umgang mit wassergefährdenden Stoffen
  • Gewässerschutzbeauftragte
  • Gewässerausbau
  • Hochwasserschutz
  • Wasserwirtschaftliche Planung und Dokumentation
  • Haftung für Gewässerveränderungen
  • Duldungs- und Gestattungsverpflichtungen

Für Unternehmen ist insbesondere das Kapitel 3 Abschnitt 2 des WHG zum „Umgang mit wassergefährdenden Stoffen“ wichtig. Um auf Bundesebene eine einheitliche Regelung zu schaffen, wurde zusätzlich zum Wasserhaushaltsgesetz die „Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen“ (AwSV) beschlossen und verabschiedet. Die AwSV stuft Stoffe und Gemische nach ihrer Gefährlichkeit ein. Dadurch werden die technischen Anforderungen vorgegeben, die Anlagen erfüllen müssen, wenn mit Gefahrenstoffen umgegangen wird. Ebenso werden die Pflichten der Anlagenbetreiber in der Verordnung geregelt.

WHG-Regelungen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen

Unter die Bezeichnung „wassergefährdende Stoffe“ fallen alle Stoffe, die dazu geeignet sind, die Beschaffenheit des Wassers dauerhaft und in einem erheblichen Umfang zu verändern. Dies können sowohl flüssige als auch feste und gasförmige Stoffe sein, die in vielen Betrieben gelagert oder eingesetzt werden: Säuren, Laugen, Benzin, Heizöl und organische Lösungsmittel.

Laut AwSV §3 Abs. 1 werden diese Stoffe in drei Wassergefährdungsklassen eingeteilt. Die Einteilung richtet sich jeweils nach ihrer Wassergefährdung:

WassergefährdungsklasseWassergefährdungBeispielstoffe
WGK 1schwachEssigsäure, Natronlauge, Alkohol oder Wasserstoffperoxid
WGK 2mittelHeizöl, Natriumhypochlorit, Jod
WGK 3starkAltöl, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Benzol

In der Verwaltungsvorschrift wassergefährdender Stoffe (VwSV) finden Sie dazu einen umfangreichen Katalog bereits eingestufter Stoffe. Schon eine schwache Wassergefährdung müssen Sie bei der Verwendung eines Stoffes berücksichtigen.

Dementsprechend müssen Betriebe ihre verwendeten Stoffe regelmäßig überprüfen, um eine korrekte Handhabung sicherzustellen. Das Umweltbundesamt hat zu diesem Zweck die Online-Datenbank Rigoletto ins Leben gerufen. Hier können Sie die jeweilig verwendeten Substanzen über eine Suchfunktion identifizieren. Ebenso können Sie konkret die sogenannte EG-Nummer eines Stoffes eingegeben, um die Wassergefährdungsklasse zu erfahren.

Beispielsweise führt die Suche nach Laugen zu sieben unterschiedlichen Stoffen, u.a. Natriumsalz und dessen Wassergefährdungsklasse, in diesem Fall WGK 2. Anhand der parallel ermittelten Kennnummer werden auch Synonyme und verwandte chemische Verbindungen (Derivate) ersichtlich.

Sichere Lagerung nach Wasserhaushaltsgesetz

Grundsätzlich sieht das Wasserhaushaltsgesetz Schutzmaßnahmen vor, die eine sichere Lagerung und Umfüllung der wassergefährdenden Stoffe ermöglichen. Nach der AwSV sollten die dazu verwendeten Behältnisse dicht und standsicher sein. Außerdem wird eine hinreichende Widerstandsfähigkeit der Behältnisse vorgeschrieben, die sowohl mechanischen, thermischen als auch chemischen Prozessen standhalten. Um bei einem Austreten der Stoffe dennoch die Schutzvorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes zu erfüllen, müssen zusätzliche entsprechende Rückhaltevorrichtungen installiert werden.

Meist werden dazu Auffangwannen verwendet. Sie verhindern, dass Flüssigkeiten in Gewässer oder Böden eingeleitet werden und fangen Flüssigstoffe sicher auf, damit sie im Nachgang fachgerecht entsorgt werden können. Auffangwannen kommen in unterschiedlichen Ausführungen zum Einsatz, sie bestehen aus Stahl, Edelstahl oder Kunststoff (Polyethylen).

Geeignete Auffangwannen nach WHG

Auch für die Einsatzbereiche der Auffangwannen gibt es Kriterien nach dem Wasserhaushaltsgesetz. Auffangbehältnisse müssen dazu nach folgenden Kriterien ausgewählt werden:

  • Volumen des Stoffes
  • chemische Zusammensetzung
  • Wassergefährdungsklasse
  • Entflammbarkeit des Stoffes
  • Veränderbarkeit des Aggregatzustandes oder Stoffvolumens, sog. Kompressibilität

Das verwendete Auffangsystem muss mindestens 10% der gelagerten Stoffmenge auffangen können, wobei gilt, dass mindestens das Volumen des größten Gebindes aufgenommen werden kann. Je nach Einsatzort – etwa in Wasserschutzgebieten – kann diese Regelung auf bis zu 100% der Lagermenge angehoben werden. Für mindestens 72 Stunden muss das Auffangsystem den Stoff sicher aufnehmen können.

Über die Eignung der unterschiedlichen Materialien von Auffangwannen entscheidet die Art des verwendeten Gefahrenstoffes und das Volumen: Auffangwannen aus Thermoplast weisen beispielsweise ein günstigeres Korrosionsverhalten auf als Stahlwannen. Zu diesem Zweck hat das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) sogenannte Medienlisten von Stoffen veröffentlicht, die im Rahmen des Wasserhaushaltsgesetzes für eine Aufbewahrung in Kunststoffauffangwannen geeignet sind.

Das DIBt hat entsprechend der europäischen Verordnung eine maßstäbliche „Richtlinie über die Anforderungen an Auffangwannen aus Stahl mit einem Rauminhalt bis 1000 Liter“ (StawaR) herausgegeben. Diese regelt unter anderem die Anforderungen an Herstellung, Kennzeichnung, Nutzung und Unterhalt sowie verpflichtende Prüfmodalitäten für Stahlwannen. Wassergefährdende, entzündbare Gefahrstoffe, wie zum Beispiel Öle und Lacke sind für die Lagerung in Auffangwannen aus Stahl geeignet, vorzugsweise in verzinkter oder lackierter Form.

WHG-Prüfpflicht bei der Lagerung von wassergefährdenden Stoffen

Gemäß Wasserhaushaltsgesetz sowie StawaR bestehen bestimmte Prüfungspflichten für Auffangwannen:

  • Regelmäßige Sichtprüfungen: mindestens einmal pro Woche
  • Sichtprüfung des Zustandes von Auffangwannen & Gitterrost: alle zwei Jahre
  • Auffangwanne muss frei von Wasser und Verschmutzungen gehalten werden
  • Schäden am Oberflächenschutz (Korrosion) müssen umgehend beseitigt werden
  • Protokollierung der Prüfergebnisse sowie Aufbewahrungspflicht dieser: Eine Vorlage bei der Wasserbehörde muss jederzeit lückenlos möglich sein

Sie müssen außerdem sicherstellen, dass Ihr Auffangsystem grundsätzlich überprüfbar ist, was Leckagen und Schäden betrifft. Einbauten und Installationen müssen deshalb so vorgenommen werden, dass zu jeder Zeit eine vorschriftsmäßige Prüfung möglich ist. Der Prüfnachweis Ihres Systems auf Dichtigkeit kann dabei nicht von jeder Person erbracht werden: Laut Wasserhaushaltsgesetzt müssen dafür spezielle Fachbetriebe beauftragt werden. Sie besitzen einen behördlichen Eignungsnachweis zur Fertigung und Kontrolle von Auffanganlagen.

Ihren Prüfungspflichten sollten Sie unbedingt auf Grundlage einer ordentlichen Dokumentation nachkommen: Im Falle einer Havarie mit Gewässerverunreinigung kann bei einer vernachlässigten Prüfung der Auffanganlagen Ihre Versicherung Regressansprüche an Sie stellen oder gar keinen Versicherungsausgleich leisten. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, Ihre Mitarbeiter entsprechend zu schulen. So entsteht ein routinierter Umgang bzgl. der Anforderungen an die regelmäßigen Prüfungen bei der Lagerung von wassergefährdenden Stoffen nach Wasserhaushaltsgesetz und deren Dokumentation.

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